Wirtschaft
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The company's logo is seen at the headquarters of Swiss bank Credit Suisse at the Paradeplatz square in Zurich March 10, 2015. Credit Suisse said it had hired Prudential head Tidjane Thiam as the first African to lead a global investment bank, with the job of reviving a company reeling from U.S. penalties and under increasing regulatory scrutiny. Credit Suisse Chairman Urs Rohner said long-standing boss Brady Dougan was stepping down as chief executive of the Swiss bank at the end of June and would be replaced by Thiam, a former Ivory Coast government minister who has led the global insurance group since 2009.  REUTERS/Arnd Wiegmann (SWITZERLAND  - Tags: BUSINESS)

Trotz Hauptsitz in Zürich: Die CS ist keine Schweizer Bank, sondern ein internationaler Finanzkonzern. Bild: ARND WIEGMANN/REUTERS

Die Credit Suisse sendet mit dem neuen CEO ein starkes Signal: Die Schweiz ist keine Insel!

Die Ernennung von Tidjane Thiam zum CEO der Credit Suisse ist auch eine Absage an den SVP-Isolationismus: Die Schweiz kann sich den Regeln der globalisierten Wirtschaftswelt nicht entziehen.



So mancher wird sich heute Morgen die Augen gerieben haben vor Verblüffung. Andere sehen schlicht schwarz: Ein Afrikaner und Muslim wird Chef der früheren Kreditanstalt! Der französisch-ivorische Doppelbürger Tidjane Thiam löst den glücklosen Brady Dougan als CEO der Credit Suisse ab. Die Börse reagierte mit einem Kurssprung auf den Wechsel an der Spitze.

Weniger euphorisch sind die Reaktionen in den Kommentarspalten der Schweizer Online-Medien. Neben latent rassistischen Einträgen, die auf seine Herkunft anspielen, dominiert eine Kritik: Warum kein Schweizer?

Die Antwort ist einfach: Trotz Namen und Hauptsitz ist die Credit Suisse keine Schweizer Bank mehr, sondern ein internationaler Finanzkonzern. Nationale Befindlichkeiten haben hier keinen Platz. Zur Erinnerung: Thiams Vorgänger waren ein Deutscher (Oswald Grübel) und ein Amerikaner (Brady Dougan).

Der neue Mann an der CS-Spitze

Der Zufall will es, dass ebenfalls heute die SVP ihre neuste Offensive in Sachen Isolationismus lanciert hat. Mit ihrer Volksinitiative «Schweizer Recht statt fremde Richter» will sie erreichen, dass die Bundesverfassung über dem internationalen Recht steht. Bund und Kantone sollen keine völkerrechtlichen Verpflichtungen eingehen dürfen, die der Bundesverfassung widersprechen. Vorbehalten bleiben die zwingenden Bestimmungen des Völkerrechts.

Die Schweiz aber ist keine Insel. Sie ist Teil der globalisierten (Wirtschafts-)Welt, und diese operiert immer mehr nach globalen Regeln. Gerade die Schweizer Banken haben dies auf die harte Tour erfahren, sie mussten das bis vor kurzem sakrosankte Bankgeheimnis unter internationalem Druck preisgeben und erst noch saftige Bussen bezahlen.

Dieser Trend wird weitergehen. Immer stärker ins Visier geraten multinationale Konzerne, die ihre Gewinne in Steueroasen verschieben und so dem Fiskus entziehen. An vorderster Front kämpft die konservativ-liberale Regierung Grossbritanniens gegen diese Praktiken, der niemand Wirtschaftsfeindlichkeit unterstellen kann.

Vor diesem Hintergrund ist die neue SVP-Initiative schlicht realitätsfremd. Internationales Recht und «fremde Richter» werden für die Schweiz an Bedeutung gewinnen. Die Ernennung von Tidjane Thiam setzt – wenngleich ungewollt – ebenfalls ein starkes Zeichen in diese Richtung, stärker als alle Communiqués und Empörungsrituale an die Adresse der SVP.

Der Zeitgeist mag restaurativ sein und auf den Rückzug ins Schneckenhaus tendieren. Doch den globalen Realitäten können wir uns nicht entziehen. Die CS ist eben keine Kreditanstalt mehr.

Die CS-Chefs: Von Escher zu Thiam

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