Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Personenfreizügigkeit habe Schweiz ärmer gemacht – sagt eine SVP-nahe Studie



Die angespannten Beziehungen zur EU nicht weiter belasten: Das Parlament empfiehlt die SVP-Begrenzungsinitiative, welche das Ende der Personenfreizügigkeit fordert, zur Ablehnung. (Themenbild)

Das Verhältnis Schweiz - EU steht auf dem Spiel. Bild: KEYSTONE

Die Personenfreizügigkeit hat die Schweiz gemäss einer neuen Studie ärmer gemacht. Die übrigen Verträge des Pakets der Bilateralen I könnten diesen «Wohlstandsverlust» nur zu einem kleinen Teil ausgleichen.

Die am Freitag veröffentlichte Studie des Londoner Forschungsinstituts Europe Economics wurde im Auftrag der Stiftung für bürgerliche Politik durchgeführt. Einsitz darin hat unter anderen Nationalrat Thomas Matter von der SVP, welche die Nachteile der Personenfreizügigkeit ins Zentrum ihrer Argumentation für die Begrenzungsinitiative stellt.

Nationalrat Thomas Matter, aufgenommen an der Delegiertenversammlung der SVP Schweiz, am Samstag, 30. Maerz 2019, in Amriswil. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Thomas Matter Bild: KEYSTONE

Im Zentrum der Studie stand die Frage, ob die Schweiz einseitig - mit einem Ja zu Begrenzungsinitiative am 27. September - die «Kontrolle über die Einwanderung» zurückgewinnen soll, auch wenn dies zulasten des Freizügigkeitsabkommens und weiterer Handelsabkommen zwischen der Schweiz und der EU der Bilateralen I gehen würde.

Aus Sicht der Studienautoren scheint die Antwort Ja zu sein, da die die Verträge gemäss ihrer Analyse keinen positiven Effekt auf das Schweizer Brutto-Inland-Produkt (BIP) hat. So habe die Einwanderung im Zeitraum von 2002 bis 2017 4.4 Prozentpunkte an Wachstum beim Brutto-Inland-Produkt (BIP) pro Kopf gekostet. Auf die Personenfreizügigkeit führen die Forscher ein um 0.7 Prozent kleineres BIP/Kopf der einheimischen Bevölkerung zurück.

Auf der anderen Seite mit positivem Einfluss stehen Handelserleichterungen im Abkommen über die technischen Handelshemmnisse, welche etwa 0.2 Prozent zum BIP/Kopf hinzugefügt hätten und das Flugverkehrsabkommen, welches zu einer Zunahme des BIP/Kopf um 0.1 bis 0.2 Prozent geführt habe.

Bei vier der sieben Verträge fanden die Autoren gemäss Mitteilung keinen Effekt. Damit könne insgesamt nicht gesagt werden, dass die bilateralen Verträge eine positive Auswirkung hätten, wie das andere Studien darlegen würden.

Der Bund sieht es anders

Anders sieht dies der Bund. Gemäss einem Ende Juni vorgelegten Bericht des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) hat das Personenfreizügigkeitsabkommen einen «erheblichen Beitrag zum Wirtschaftswachstum und zum Wohlstand in der Schweiz» geleistet.

Wenn die Schweiz weiter prosperieren wolle, sei sie auf die Zusammenarbeit mit der EU angewiesen, hatte Staatssekretärin und Seco-Direktorin Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch vor den Medien gesagt. (aeg/sda)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Helene erklärt die Begrenzungsinitiative

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

95 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
Dr no
14.08.2020 16:24registriert May 2018
Fakt ist doch einfach, dass der Durchschnittsbürger die angeblich positiven Effekte der PFZ nicht spürt, aber unter den negativen Effekten zu leiden hat. Klar, die Firmen werden reicher wenn die PFZ herrscht (mehr Absatz, billigere Arbeitskräfte etc.) Aber der Büezer sieht nur tiefere Löhnen, steigende Mieten, Dichtestress, alles wird zugebaut und ist überlaufen.
13845
Melden
Zum Kommentar
Atavar
14.08.2020 12:11registriert March 2020
"Die Personenfreizügigkeit hat die Schweiz gemäss einer neuen Studie ärmer gemacht. [...]" Selbst wenn das und der Rest der Studie inhaltlich korrekt wäre, kann es bei solchen Abkommen nicht ausschliesslich darum gehen, was ökonomisch am Ende herauskommt.
Es gibt auch andere berechtigte Interessengruppen (Kultur, Forschung & Bildung, usw.) und non-monetäre Vorteile (Transit, Strafverfolgung, usw.).
An Produktnormen der EU kommen wir auch ohne Verträge nicht vorbei (siehe z.B. DSGVO).
Aber klar, ökonomische Nachteile ziehen immer - genug sind nicht in der Lage mehr Zusammenhänge zu sehen...
14385
Melden
Zum Kommentar
95

Vergiftete Böden und Kinderarbeit – was sich Schweizer Firmen im Ausland alles erlauben

Am 29. November stimmt die Schweiz über die Konzern-Initiative ab. Sie soll Schweizer Unternehmen bei Rechtsverstössen im Ausland stärker haftbar machen. Höchste Zeit also, um sich ein paar Beispiele von bis jetzt ungeahndeten Menschenrechts- und Umweltvergehen anzusehen.

Nach der Abstimmung ist vor der Abstimmung: Bereits am 29. November kann das Schweizer Stimmvolk erneut wählen gehen. Zum Beispiel über die Konzernverantwortungsintiative. Diese fordert, dass globale Konzerne mit Sitz in der Schweiz einem zwingenden Regelwerk unterstellt sind, wenn es um die Beachtung von Menschenrechten und Umweltschutz bei ihren weltweiten Tätigkeiten geht.

Oder einfach gesagt: Schweizer Unternehmen und ihre Tochterfirmen könnten für ihre Tätigkeiten im Ausland rechtlich …

Artikel lesen
Link zum Artikel