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Verlustwarnung und Köpferollen bei der Credit Suisse: Zwei Topmanager müssen gehen



Der Zusammenbruch des US-Hedgefund Archegos kommt die Credit Suisse teuer zu stehen. Wegen einer Belastung in Milliardenhöhe fällt die Grossbank im ersten Quartal in die roten Zahlen und zwei Geschäftsleitungsmitglieder müssen den Hut nehmen. Die Aktionäre erhalten eine deutlich tiefere Dividende.

Credit-Suisse-Investment-Bank-Chef Brian Chin

Investment-Bank-Chef Brian Chin. Bild: zvg/credit suisse

Insgesamt führt das Debakel um den Hedgefund Archegos für die zweitgrösste Schweizer Bank zu einer Belastung von 4,4 Milliarden Franken, wie die CS am Dienstag mitteilte. Als Folge davon rechnet die Bank für das erste Quartal mit einem Vorsteuerverlust von ungefähr 900 Millionen Franken. Im Vorjahresquartal hatte die CS noch einen Vorsteuergewinn von 1,2 Milliarden Franken erzielt.

Credit-Suisse-Risikochefin Lara Warner

Risikochefin Lara Warner. Bild: zvg/credit suisse

«Inakzeptabler» Verlust

Zerknirscht zeigte sich die Bankführung: «Der erhebliche Verlust in unserem Prime-Services-Geschäft in Zusammenhang mit dem kollabierten US-Hedge-Fonds ist inakzeptabel», liess sich CEO Thomas Gottstein in der Mitteilung der Bank zitieren.

Anfang der vergangenen Woche hatte die CS mitgeteilt, ein bedeutender US-Hedgefund sei den Margenforderungen der CS und einiger anderer Banken nicht nachgekommen. Dabei handelt es sich laut übereinstimmenden Berichten um den Archegos-Fonds des Investors Bill Hwang. Neben der CS ist vor allem die japanische Nomura mit einem Verlust von rund 2 Milliarden Dollar stark von der Pleite betroffen.

Chin und Warner gehen

Der Chef der Investment Bank, Brian Chin, sowie die Risiko- und Compliancechefin Lara Warner müssen nun die Bank verlassen. Die Investment Bank war nicht nur wegen der hohen Kredite an einen einzelnen Hedgefund kritisiert worden. Sie soll auch nach dem Archegos-Zusammenbruch beim Verkauf der als Sicherheiten hinterlegten Wertpapiere langsamer als andere Banken reagiert und damit höhere Verluste erlitten haben.

Risikochefin Warner war bereits vorher wegen des Engagements der CS bei der inzwischen insolventen Greensill Capital in die Kritik geraten. Den Investoren in die von der CS zusammen mit Greensill erstellten Anlagefonds droht bekanntlich ein potenzieller Verlust in Milliardenhöhe.

Zum Nachfolger als Leiter der Investment Bank ist Christian Meissner ernannt worden, bisher Co-Leiter des Investment Banking Advisory in der Division Internationale Vermögensverwaltung. Für Warner springen zwei Personen ein: Joachim Oechslin, zuletzt Stabschef für CEO Gottstein, wird ad interim neuer Risikochef. Den Posten eines Compliance-Chefs übernimmt ad interim Thomas Grotzer, bisher Chefjurist der CS Schweiz.

Kapitalisierung sinkt

Der Riesenverlust dürfte die Verantwortlichen umso stärker ärgern, weil das operative Geschäft im ersten Quartal gut lief. So habe die Investment Bank ansonsten ein starkes Quartal erlebt und auch die Vermögensverwaltungseinheiten hätten höhere Gewinne als im Vorjahr erwirtschaftet. Zudem seien Netto-Neugelder zugeflossen.

Der Verlust lässt zudem die Kapitalquoten der Bank unter den eigenen Zielwert sinken. Die CS stellt deshalb nicht nur ihr laufendes Aktienrückkaufprogramm ein. Sie kürzt auch die Dividende für 2020 auf 0,10 Franken statt der ursprünglich vorgeschlagenen 0,2917 Franken pro Aktie.

Boni gestrichen

Und auch die Geschäftsleitung der Bank soll die Konsequenzen spüren. So sollen die variablen Vergütungen für 2020 in Höhe von knapp 41 Millionen Franken gestrichen werden. CEO Gottstein dürfte damit noch ein fixes Gehalt von 2,9 Millionen Franken auf sicher haben - ursprünglich hätte sein Jahreslohn 8,5 Millionen Franken betragen sollen.

VR-Präsident Urs Rohner verzichtet derweil auf seine Präsidenten-Entschädigung in Höhe von 1,5 Millionen Franken, er hat nun noch Anrecht auf 3,2 Millionen Franken Lohn. Weitere Folge des Debakels: Die Entlastung von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung wird an der kommenden Generalversammlung gar nicht erst traktandiert.

Am Aktienmarkt fällt die Reaktion auf die Nachrichten durchzogen aus. Insgesamt seien die Archegos-Verluste am oberen Ende der Erwartungen ausgefallen, meinte ein Analyst. Dank des starken operativen Ergebnisses könne der Verlust aber zum Teil aufgefangen werden. Gleichzeitig verblieben aber Fragezeichen hinter den langfristigen Perspektiven der Bank. Der Aktienkurs schwankte im Handelsverlauf zwischen Verlusten und Gewinnen, notierte aber am Mittag um 0,9 Prozent im Plus auf 10,25 Franken. (awp/sda)

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