Wirtschaft
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SBB-Chef Andreas Meyer bleibt weiterhin der Topverdiener bei den bundesnahen Betrieben, auch wenn er zum ersten Mal seit langem weniger als eine Million Franken ausbezahlt bekam. (Archiv)

SBB-CEO Andreas Meyer stellt sich den Verkehrspolitikern. Bild: KEYSTONE

Nach tödlichem Unfall in Baden: Krisensitzung der SBB-Spitze – CEO stellt sich Politikern

Die Bundesbahnen haben nach dem tödlichen Unfall Sofortmassnahmen ergriffen. Politikern geht das zu wenig weit. Heute Montag tritt SBB-Konzernchef Andreas Meyer in der Verkehrskommission des Ständerats auf.

Patrik Müller / CH Media



Der tödliche Unfall in Baden und die Fragen zur Sicherheit: Darüber berät heute Montag die Konzernleitung der SBB in einer Klausur. Dies sagte SBB-Chef Andreas Meyer am Sonntag gegenüber der CH-Media-Redaktion. Er selber werde die Klausur aber zeitweise verlassen müssen, um ins Bundeshaus zu gehen: Dort nämlich trifft sich die Verkehrskommission des Ständerats.

Während es gestern in der Sonntagspresse noch hiess, weder Meyer noch Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar würden in der Kommission auftreten, sagt der Konzernchef nun: «Ich werde nach den neusten Entwicklungen selber in der Kommission anwesend sein.» Ursprünglich war das nicht geplant.

Irritation über die internen Abfahr-Anweisungen

In der Kommission werden Meyer kritische Fragen erwarten. Nach der Pannenserie der tödliche Unfall: «Das Fass ist übergelaufen», sagte der Urner FDP-Ständerat Josef Dittli in der «SonntagsZeitung». «Es kann nicht sein, dass Leute von Türen eingeklemmt werden.»

Auch aus der nationalrätlichen Verkehrskommission kommt Kritik, etwa vom Aargauer FDP-Nationalrat Thierry Burkart. Im Fokus steht die Sicherheit. Vielen genügen die «Sofortmassnahmen» nicht, welche die Bahn nach dem Unglück vom 4. August ergriffen hat, als ein Zugchef starb, weil er einen Arm in der Türe einklemmte, vom Zug mitgeschleift und dabei getötet wurde.

Auch SBB-intern halten viele diese Massnahmen für ungenügend. Sie bestehen für das Personal in einer Verdeutlichung des sogenannten Abfahrprozesses – den Mitarbeitenden wurde ein entsprechendes Dokument zugeschickt. Darin werden die Mitarbeitenden aufgefordert, den «gesamten Abfahrprozess bewusst und konsequent» einzuhalten.

SBB Abfahrprozess internes Dokument

Internes Dokument für SBB-Mitarbeitende: Wird dieser Abfahrablauf bald geändert? Bild: zvg

Kritische Worte eines SBB-Insiders

Ein langjähriger SBB-Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte, sagt dazu: «Nach dem Unfall wurde nichts geändert. Weiterhin wird das Zugspersonal dazu genötigt, dem Lokführer den Abfahrbefehl zu geben, wenn noch alle Türen offen sind.»

Die Schweiz sei das einzige Land, in dem der Kondukteur «schon vor dem Betätigen der Türschliessung den Abfahrbefehl erteilt». Deutschland, Frankreich und Italien würden das anders machen – «dadurch wird der Ablauf aber um etwa 5 bis 6 Sekunden verlängert, was die SBB nicht wollen, weil hier nur noch die Pünktlichkeit zählt.»

«Eingespielte, wichtige Abläufe darf man nicht überstürzt ändern, sonst erhöht man die Sicherheitsrisiken.

SBB-CEO Andreas Meyer

Auch die Eisenbahnergewerkschaft SEV fordert einen Ablauf wie in Deutschland, wie SEV-Präsident Giorgio Tuti in der «Schweiz am Wochenende» sagte. Allerdings: Die heute gültigen Arbeitsschritte haben die SBB zusammen mit dem SEV entwickelt.

Ändern die SBB nun die Anweisungen? Andreas Meyer: «Wir überprüfen den Ablauf. Doch eingespielte, wichtige Abläufe darf man nicht überstürzt ändern, sonst erhöht man die Sicherheitsrisiken. Die Mitarbeiter müssen wissen, was gilt.»

Noch im Gang ist bei den SBB die Überprüfung der Türen an den 493 Waggons des Badener Unfalltyps. Laut «SonntagsBlick» wurden bislang 250 Wagen untersucht, und bei mindestens 20 Türen ist ein defekter Einklemmschutz entdeckt worden.

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