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In this July 20, 1969 photo made available by NASA, astronaut Buzz Aldrin, lunar module pilot, walks on the surface of the moon during the Apollo 11 extravehicular activity. (Neil Armstrong/NASA via AP)

Astronaut Edwin «Buzz» Aldrin auf dem Mond, fotografiert von Neil Armstrong. Bild: AP

Analyse

Die Mondlandung zeigt, wozu wir fähig sind, wenn wir es nur wollen

Der Wettlauf im All zwischen den USA und der Sowjetunion setzte unglaubliche Energien frei. Vom Sputnik bis zur Mondlandung vergingen weniger als zwölf Jahre. Dies sollte Ansporn sein bei der Bewältigung heutiger Probleme.



Neil Armstrong hatte sich genau überlegt, was er beim Aussteigen aus der Mondlandefähre «Eagle» am frühen Morgen des 21. Juli 1969 (MEZ) sagen würde: «That’s one small step for a man, one giant leap for mankind!» Das «a» (ein) verschluckte der Kommandant von Apollo 11 in der Aufregung, trotzdem wurde daraus einer der bekanntesten Aussprüche der Menschheitsgeschichte.

Die erste Landung von Menschen auf dem Erdtrabanten war in der Tat «ein gewaltiger Sprung für die Menschheit». Mit 50 Jahren Abstand erkennt man erst, welch unglaubliche Leistung die damalige Generation vollbracht hat (die Verschwörungstheorien lassen wir getrost beiseite). Die Geschichte der Raumfahrt zeigt, wie die Menschen über sich hinauswachsen können.

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Neil Armstrongs berühmte Worte. Video: YouTube/OfficialNASAFilms

Von Sputnik 1, dem im Oktober 1957 gestarteten sowjetischen Satelliten und ersten menschlichen Objekt im All, bis Apollo 11 vergingen weniger als zwölf Jahre. Man könnte den Zeithorizont noch ausweiten: Wer als Kind die ersten klapprigen Motorflugzeuge gesehen hatte, sass als Rentnerin oder Rentner vor dem Fernseher, als Armstrong seinen «Sprung» machte.

Am Anfang waren die Nazis

Für eine solche Entwicklung braucht es verschiedene Faktoren. Einer der wichtigsten waren die Weltkriege. So unerfreulich, ja widerwärtig es sein mag: Krieg war schon immer ein Treiber des technologischen Fortschritts. Während des Zweiten Weltkriegs baute der deutsche Ingenieur Wernher von Braun mit Zwangsarbeitern die V2-Rakete, wobei das V für «Vergeltungswaffe» stand.

Viel bewirkt hat sie nicht. Die Alliierten meinten später, die Nazis hätten das Geld besser in den Bau von Kampfflugzeugen gesteckt, sie hätten damit mehr Schaden anrichten können. Die V2 aber (sie hiess eigentlich Aggregat 4) bildete die Grundlage für das amerikanische wie das sowjetische Raketenprogramm. Wernher von Braun selbst übersiedelte in die USA.

Damit kam ein weiterer Faktor ins Spiel: der Kalte Krieg. Er löste den Wettlauf ins All zwischen den USA und der Sowjetunion aus. Er war nicht einfach ein friedlicher Wettbewerb zum Wohle der Menschheit. «In Wirklichkeit handelte es sich um ein von militärischen Motiven angetriebenes Wettrennen», sagte der Queen-Gitarrist und Astrophysiker Brian May im Interview mit watson.

In this April 12 1961 photo, rocket engineer Oleg Ivanovsky, right, leads Yuri Gagarin, center, to the Vostok spacecraft before the launch from what will later become known as the Baikonur cosmodrome. Ivanovsky said that designers had done their best to make the first human flight into space safe, but risks were still high. People in the background are unidentified engineers.(AP photo/ NPO Lavochkin Museum, HO)

Der russische Kosmonaut Juri Gagarin war der erste Mensch im Weltraum. Bild: AP NPO Lavochkin Museum

Die Sowjets hatten lange die Nase vorne. Sie brachten das erste Objekt ins All (1957), das erste Lebewesen (1957), den ersten Menschen (1961), die erste Crew (1962) und die erste Frau (1963). Sie schickten erstmals ein Objekt zum Mond (1959) und schafften den ersten «Spaziergang» im Weltraum (1965). Die USA fühlten sich durch diese Rückschläge in ihrem Nationalstolz verletzt.

Von «Flopnik» zur Dominanz

Ihre Aufholjagd verlief mühsam. Präsident Dwight Eisenhower befahl, den «Sputnik-Schock» mit dem Vanguard-Projekt der Marine zu kontern. Doch der erste Start im Dezember 1957 scheiterte kläglich. Die amerikanischen Zeitungen verwendeten Begriffe wie «Flopnik» und «Kaputnik». Dennoch gelang es den Amerikanern im Laufe der Zeit, die «Lufthoheit» im Weltall zu erringen.

Sie konnten sich dabei auf einen weiteren Faktor verlassen. Die Nachkriegszeit war im Westen durch Aufbruchstimmung und Optimismus geprägt, getragen durch einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung. Kaum jemand verkörperte diesen Zeitgeist besser als der 1960 gewählte neue US-Präsident John F. Kennedy. Er strahlte eine Aura von Jugendlichkeit und Dynamik aus.

Kennedys klare Forderung

In Wirklichkeit war Kennedy ein körperliches Wrack, aber das wurde unter dem Deckel gehalten. Im Mai 1961 gab er mit einer Rede vor dem Kongress die Richtung vor. Kennedy versprach, «noch vor dem Ende dieses Jahrzehnts einen Menschen auf dem Mond zu landen und sicher zur Erde zurückzubringen». Damals wirkte diese Vorgabe illusorisch.

50 Jahre Mondlandung

Die mit dem Mondprogramm verbundenen Kosten waren immens. Kritiker meinten schon damals, das Geld solle besser in die Lösung «irdischer» Probleme investiert werden. John F. Kennedy zweifelte ebenfalls, er regte 1963 vor der UNO ein gemeinsames Vorgehen mit den Sowjets an. Nach seiner Ermordung im gleichen Jahr setzten die Amerikaner endgültig auf den Alleingang.

Maximales Risiko

An Rückschlägen mangelte es nicht, auf beiden Seiten. Mehrere Astronauten und Kosmonauten bezahlten den Wettlauf ins All mit ihrem Leben. Das für die Mondmissionen vorgesehene Apollo-Programm begann gleich mit einer Katastrophe. Im Januar 1967 brach in der Kapsel von Apollo 1 während eines simulierten Starts ein Feuer aus. Alle drei Astronauten erstickten im Rauch.

Im Rückblick wirkt es erstaunlich, dass nicht mehr passierte. Denn Kennedys ambitioniertes Ziel liess sich nur mit maximalem Risiko erreichen. Tests wurden auch aus Kostengründen auf ein Minimum reduziert. Die NASA-Ingenieurin Frances «Poppy» Northcutt erinnerte sich in einer TV-Doku, dass bis kurz vor dem Start von Apollo 8 im Dezember 1968 Fehler behoben werden mussten.

Die Erde von oben

Die gigantische Saturn-V-Rakete – Wernher von Brauns Meisterstück – hob dennoch problemlos ab, und die drei Astronauten Frank Borman, Bill Anders und Jim Lovell wurden die ersten Menschen, die den Mond umkreisten. Dabei entstand das legendäre Foto des Erdaufgangs über dem Mondhorizont. Der Anblick der blauen Kugel im öden Universum bewegte die Astronauten tief.

1972 endeten die Mondmissionen nach sechs erfolgreichen Landungen und einer Beinahe-Katastrophe (Apollo 13). Der Kongress mochte kein neues Geld bewilligen. War der Wettlauf also nur eine Frage des Prestiges? Hätte man das Geld nicht tatsächlich besser investieren können?

Vielleicht schon, aber dann hätte die Menschheit mehr als nur eine bedeutende Erfahrung verpasst. Die Erde von oben war nicht nur für die Crew von Apollo 8 eine Offenbarung, sondern für so ziemlich alle Menschen, die den Weg ins All bislang gefunden haben. Filmaufnahmen zeigen, wie dünn die blaue Schicht der Atmosphäre ist, die alles Leben auf dem Planeten ermöglicht.

Nicht einfach, sondern schwierig

Bis auf weiteres können wir nicht auf andere Himmelskörper ausweichen. Dennoch gehen wir unglaublich sorglos mit unserer Lebensgrundlage um. Klimawandel und Artensterben sind die Folgen. Die gute Nachricht: Das Raumfahrtprogramm kann uns als Vorbild dafür dienen, dass wir in unglaublich kurzer Zeit sehr viel bewirken können, wenn wir nur wollen.

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John F. Kennedy 1962 an der Rice University. Video: YouTube/MAPSACommunications

Sicher, der Klimaschutz ist eine ungleich grössere Herausforderung als der Flug zum Mond. Er hat eine globale Dimension. Heute fehlen ein «heisser» und ein kalter Krieg als Antrieb – zum Glück! Und der Zeitgeist ist nicht von Aufbruchstimmung geprägt, sondern von Verzagtheit und Verlustängsten. Aber das darf uns nicht daran hindern, grosse Ziele anzustreben.

John F. Kennedy sprach es 1962 in einer weiteren Rede im Footballstadion der Rice University in Houston aus. Man wolle zum Mond fliegen und andere Dinge machen, «nicht weil sie einfach sind, sondern weil sie schwierig sind». Solches wollen wir von heutigen Politikern hören, auch wenn im Weissen Haus derzeit kein Optimist wohnt, sondern ein Hassprediger.

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Die Welt von oben

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