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epa06915131 The moon is seen during a lunar eclipse in Aley Lebanon 27 July 2018.  The lunar eclipse on the night of 27 July 2018 will be the longest total lunar eclipse of the 21st century with the event spanning for over four hours, and the total eclipse phase lasting for 103 minutes.  EPA/Nabil Mounzer

Heute ist der Mond ein lebensfeindlicher Steinhaufen. Das war nicht immer so. Bild: EPA/EPA

Als der Mond jung war, gab es dort vielleicht Leben



Seit Milliarden Jahren umkreist der Mond die Erde – ein öder, lebensfeindlicher Steinhaufen. Nicht mal primitive Bakterien gibt es auf unserem Trabanten, der weder eine Atmosphäre noch flüssiges Wasser hat. Und ein Magnetfeld, das vor dem erbarmungslosen Strahlenbombardement aus dem Kosmos schützt, gibt es auch nicht. Dafür schwankt die Temperatur in dieser trostlosen Steinwüste zwischen 130 und minus 160 Grad Celsius – angenehm klingt das nicht gerade. 

Und doch könnte es einst Leben auf unserem Mond gegeben haben, und dies gleich zweimal. Relativ kurz nach seiner Entstehung – Folge einer gigantischen Kollision der Erde mit einem anderen Himmelskörper – sollen auf dem jungen Mond vor etwa vier Milliarden Jahren und dann ein weiteres Mal vor rund dreieinhalb Milliarden Jahren Bedingungen geherrscht haben, unter denen Leben potentiell möglich war. 

Der junge Mond war feucht

Zu diesem überraschenden Befund kommen Dirk Schulze-Makuch von der Technischen Universität (TU) Berlin und Ian A. Crawford von der Universität London. Die Wissenschaftler, die ihre Forschungsergebnisse im Fachblatt «Astrobiology» veröffentlicht haben, weisen darauf hin, dass der Mond selbst heute nicht so trocken ist, wie lange angenommen wurde. In seiner Frühzeit habe es noch viel mehr Wasser gegeben – vielleicht sogar genug für einen Ozean. 

Tatsächlich geht man davon aus, dass es auf dem Mond vermutlich Wasser gibt. In fast allen vulkanischen Schichten über die gesamte Oberfläche des Trabanten verteilt haben Messungen die Spur von Wasser nachgewiesen; zudem könnte es in Kratern an den Polen bis zu einige hundert Millionen Tonnen Eis geben – vermutlich der Rest einer einst sehr viel bedeutenderen Menge. 

Wasserdampf aus dem Mondinneren

Dieses Wasser blieb womöglich in Teilen des Mondes erhalten, als er vor viereinhalb Milliarden Jahren entstand. Möglich ist aber auch, dass es durch Meteoriteneinschläge dorthin gelangte. Nach Ansicht von Schulze-Makuch und Crawford spie der Mond jedenfalls in beiden Zeitfenstern, in denen verhältnismässig lebensfreundliche Bedingungen herrschten, grosse Quantitäten an superheissen flüchtigen Gasen aus seinem Inneren aus, darunter auch Wasserdampf. 

Die enormen Gaseruptionen sollen zugleich eine zeitweise sehr dichte, schützende Atmosphäre erzeugt haben, glauben die beiden Astrobiologen – eine weitere unabdingbare Bedingung für Leben. Vor etwa dreieinhalb Milliarden Jahren könnte sie etwa dreimal so dicht gewesen sein wie die heutige Marsatmosphäre. Und auch ein Magnetfeld könnte der junge Trabant damals noch besessen haben.  

Importierte Mikroorganismen

Leben hätte während diesen beiden relativ kurzen Phasen, in denen einigermassen günstige Verhältnisse herrschten, auf dem Mond selber entstehen können. Völlig undenkbar sei dies nicht, wenn die chemische Evolution von anorganischen Bausteinen zu ersten Zellen schnell genug verlaufe, postulieren die Astrobiologen.

Denkbar ist aber auch, dass frühes irdisches Leben – die ältesten derzeit bekannten Lebensformen sind 3,5 bis 3,8 Milliarden Jahre alte Fossilien von Cyanobakterien – durch gewaltige Meteoriteneinschläge ins All geschleudert wurde und den Mond erreichte. Wie man weiss, überleben beispielsweise Bärtierchen den Aufenthalt im Weltall. 

Allerdings schlossen sich beide Zeitfenster bald wieder. Zum einen verdampfte das Wasser allmählich ins Weltall, zum andern – und dies geschah viel schneller – konnte der Mond nicht dauerhaft eine Atmosphäre halten. Auch eine dichte Gashülle hätte nur 70 Millionen, bestenfalls knappe 100 Millionen Jahre Bestand gehabt. Dass sich in dieser kurzen Zeitspanne Leben hätte entwickeln können, scheint zwar denkbar, aber unwahrscheinlich. Falls tatsächlich Mikroben von der Erde auf den Mond gelangt sind, hätten sie dann aber weniger lebensfeindliche Bedingungen vorgefunden als heute. 

Asteroideneinschlag, Meteoriteneinschlag (Symbolbild)

In der Frühzeit der Erde prasselte ein wahres Asteroidengewitter auf den Planeten.  Bild: Shutterstock

Vorerst nur Spekulation

Wie die Astrobiologen selber einräumen, sind Wasser und eine Atmosphäre allein noch nicht genug, um den Mond wirklich lebensfreundlich zu machen. Ihre Hypothese ist denn auch hochgradig spekulativ. Den Nachweis könnten eventuell Mond-Rover erbringen, die an jenen Stellen der Mondoberfläche Proben sammeln würden, an denen in der Frühzeit des Mondes starke Vulkanaktivität herrschte. 

Die Frage, ob irdische Mikroorganismen überhaupt unter Bedingungen überleben können, wie sie auf dem jungen Mond zeitweilig wohl vorhanden waren, müssten Experimente beantworten, so die Astrobiologen. Sie schlagen vor, solche Untersuchungen in speziellen Mond-Simulationskammern auf der Erde oder auf der Internationalen Raumstation ISS durchzuführen.  

(dhr)

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