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Wie steht es jetzt eigentlich mit der Immunität? 10 Fragen und Antworten

Wie es mit der Pandemie weitergehen wird, hängt nicht zuletzt von dieser Frage ab: Wie lange und wie gut hält der Schutz nach einer überstandenen Covid-19-Erkrankung?

Christoph Bopp / ch media



Studien zeigen: Wahrscheinlich weniger lang, als man gehofft hat. Und der Schutz könnte auch weniger gut sein. Das hat nicht nur Folgen für die Hoffnung auf Herdenimmunität, sondern auch für das Design eines Impfstoffs.

Es gibt aber nicht nur schlechte Nachrichten. Das menschliche Immunsystem hat noch andere Pfeile im Köcher. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Kann man das Corona-Virus auch zwei Mal bekommen?

Die erwartete Antwort wäre «Nein». Aber es gibt immer mehr Unsicherheit, ob eine Infektion mit Sars-CoV-2 wirklich Immunität verleiht. Studien deuten darauf hin, dass sich nach leichtem Verlauf fast keine Antikörper bilden oder dass sie ziemlich schnell wieder aus dem Blut verschwinden.

Das heisst nicht, dass es keine Immunität gibt. Aber die Sache könnte schwieriger werden.

Was ist denn das Neue an einer Infektion mit Sars-CoV-2?

Auch Sars-CoV-2-Virus dringt via die Atemwege in den Körper ein. Die bisher bekannten Corona-Viren tun das auch, befallen aber nur die oberen Atemwege (Nase, Rachen, Hals) und lösen dort nur leichte Erkältungen aus. Die Sars- und Mers-Coronaviren konnten dort schlecht angreifen, sondern infizierten nur die Lungen.

Sars-CoV-2 kann nun beides. Das könnte die verschiedenen Verläufe erklären. Eine leichte Infektion können die mechanischen Schutzsysteme der Atemwege bewältigen (Flimmerhärchen, Mucus-Auswurf, Husten etc.). Bei einer schweren Infektion mit mehr Viruslast gelangen die Erreger in die Lunge und verursachen die schweren Verläufe.

Ist das Virus mal in der Lunge, sei es wahrscheinlich genau so tödlich wie der Sars-Erreger. So vermutet wenigstens der Corona-Virus-Experte Stanley Perlman von der University of Iowa im neuesten Heft von «Spektrum der Wissenschaft» (8/20).

Was passiert, wenn das Virus mal im Körper ist?

Hat das Virus die mechanischen Schutzsysteme des Körpers (Haut, Schleimhäute, Flimmerhärchen etc.) überwunden, tritt die sogenannte «angeborene Immunabwehr» auf den Plan. Bestimmte Proteine (Interferone) werden freigesetzt, um nicht-infizierte Zellen zu alarmieren.

Die Interferone setzen auch sogenannte Makrophagen (Fresszellen) im Blut in Bewegung, welche das Virus oder Viruspartikel beseitigen. Das Ziel dieser Reaktion ist es, den Status quo wieder herzustellen.

Welche weiteren Möglichkeiten hat der Körper gegen Sars-CoV-2?

Nach der ersten Immunreaktion treten die Lymphozyten im Blut in Aktion. Die B-Lymphozyten produzieren neutralisierende Antikörper gegen das Virus. Das sind Proteine, die sich an bestimmte Teile des Virus anheften und verhindern, dass es in Lungen- und andere Zellen eindringen kann.

Gleichzeitig aktivieren die Interferone T-Lymphozyten, welche die Viren zerstören und infizierte Zellen auflösen können.

Wann spricht man von «Immunität»?

Hat man eine Infektionskrankheit überstanden, ist man in der Regel vor ihr geschützt. Der Körper kennt dann das Antigen des Pathogens und hat die entsprechende Abwehr parat. Dasselbe gilt bei einer Impfung, mit der man den Körper zu einer ähnlichen Immunantwort provozieren will wie bei einer Infektion.

Dieser Schutz kann ein Leben lang anhalten (wie bei Masern), er kann aber auch wieder abnehmen oder ganz verschwinden.

Wie erkennt man, ob jemand «immun» ist?

Die einfachste Antwort ist der Nachweis von spezifischen Antikörpern im Blut. Antikörper, die das Virus wirklich unschädlich machen können, nennt man «neutralisierend». Nicht alle vorhandenen - und nachgewiesenen - Antikörper können das. Wahrscheinlich gibt es auch Antikörper, die schwächer sind.

Sie verhindern vielleicht eine schwere Erkrankung, nicht aber, dass das Virus weiter verbreitet werden kann. Und die meisten Antikörper werden wieder aus dem Blut verschwinden, wenn die Infektionsgefahr vorbei ist.

Gibt es noch andere Möglichkeiten der Immunabwehr?

Die gibt es. Die Antigen-Information kann sich auch in T-Lymphozyten erhalten. Es gibt Hinweise, dass an Covid-19 Erkrankte auch spezifische T-Zellen gebildet haben. Der Nachweis spezifischer T-Zellen ist allerdings schwieriger als der von Antikörpern. Überraschenderweise konnten auch T-Zellen nachgewiesen werden bei Probanden, die keinen Kontakt mit Sars-CoV-2 hatten.

Das könnte man als «Cross-Immunität» erklären. Diese T-Zellen rühren vom Kontakt mit anderen Corona-Viren her, die schon seit langem kursieren. B- und T-Lymphozyten können sich auch zu sogenannten «Gedächtniszellen» differenzieren. Die Antigen-Information wäre dann sehr tief im Immunsystem verankert.

Was bedeutet das für den weiteren Verlauf der Pandemie?

Die gute Nachricht wäre, dass schon eine gewisse Immunität vorhanden ist, die ziemlich zuverlässig vor schweren Verläufen schützt. Und es in Zukunft möglich sein wird, die schweren Fälle medikamentös zu behandeln, während man die Epidemie - wie bei der jährlichen Grippe - sonst «laufen» lassen kann. «Lockdown»-Massnahmen wären nicht nötig.

Was können wir von einem Impfstoff erwarten?

Die Chef-Wissenschafterin der WHO, Soumya Swaminathan, zeigte sich gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sehr zuversichtlich. «Wir haben mehr als 20 Impfstoff-Kandidaten in klinischen Studien. (...) Wenn wir annehmen, dass es eine zehnprozentige Chance für jeden der Impfstoffkandidaten gibt, erfolgreich zu sein, bedeutet das immer noch, dass ein oder zwei Impfstoffe erfolgreich sein könnten - vielleicht sogar mehr.»

Anfang 2021 dürfe man mit ersten Ergebnissen rechnen, Mitte 2021 könnte ein erster Impfstoff in Massen produziert sein.

epa08525445 World Health Organization (WHO) Chief Scientist Soumya Swaminathan attends a press conference organized by the Geneva Association of United Nations Correspondents (ACANU) amid the COVID-19 pandemic, caused by the novel coronavirus, at the WHO headquarters in Geneva, Switzerland, 03 July 2020.  EPA/FABRICE COFFRINI

Soumya Swaminathan, Chef-Wissenschafterin der WHO. Bild: keystone

Werden wir Sars-CoV-2 wieder definitiv los?

Das kann man noch nicht beantworten. Es sind verschiedene Szenarien möglich. So gibt es die Theorie, dass das Corona-Virus OC43, das heute harmlose Erkältungen verursacht, für die Pandemie von 1889/90 verantwortlich war. Historiker kennen sie unter dem Namen «Russische Grippe», weil man sie für eine Influenza hielt.

Sie tötete weltweit rund eine Million Menschen. Heute kursiert OC43 immer noch, aber viele Menschen sind entweder immun und/oder das Virus hat sich abgeschwächt. Ob das auch für Sars-CoV-2 gilt, lässt sich heute noch nicht abschätzen.

Bisher ist das Virus genetisch recht stabil. Weil es so leicht neue Zellen erfolgreich infizieren kann, gibt es wenig Evolutionsdruck, der das dazu führen müsste, dass es seinen Wirt weniger schädigen oder verschonen würde. (aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Saerd neute 21.07.2020 09:38
    Highlight Highlight Sind wir nach einer Grippe immun gegen jede Grippe?
    Nein, sind wir nicht.
    Corona mutiert, also sind wir auch nicht immun. Logisch.
  • Resistance 21.07.2020 09:36
    Highlight Highlight Intressant wäre auch ob wir jetzt anfälliger auf andere Krankheiten sind. Wird unser Immunsystem schwächer wenn wir so wenig mit anderen Menschen in Kontakt kommen?
    • PhilippS 21.07.2020 15:59
      Highlight Highlight Kurzfristig ist das wohl für unser Immunsystem wenig bis kein Problem.

      Langfristig ist ein zu „sauberes“ Umfeld aber sicher nicht förderlich für ein funktionierendes Immunsystem.

      Wie jeder Muskel, die Kondition oder auch das Gedächtnis muss auch das Immunsystem „trainiert“ werden, um für eine „grosse“ Schlacht bereit zu sein. Und wie eben Muskeln & Co. im Alter nachlassen (auch mit Training), lässt auch die Immunabwehr sukzessive nach. Das dürfte mit ein Grund sein, warum ältere Menschen (nicht nur) auf Covid heftiger reagieren.
  • Dr. Unwichtig 21.07.2020 08:41
    Highlight Highlight Die Aussage, dass es sich bei SARS-CoV-2 um einen völlig neuen Erreger handelt, gegen den es in der Bevölkerung keinerlei Immunität gibt, war und ist schlicht falsch und die Basis diverser Fehleinschätzungen. Spätestens mit der Erkenntnis, dass über die Hälfte aller Infektionen nahezu symptomlos ablaufen und der R-Wert schon vor dem Lockdown dramatisch absank, hätte dies klar werden müssen. Und dazu passt, dass maximal 25% der in Quarantäne befindlichen Personen Symptome entwickeln. Nach wie vor bestimmt dieser Ansatz aber die "Strategie" zur Bekämpfung.
    • Cogglesnatch Lingerie 21.07.2020 13:49
      Highlight Highlight Du interpretierst etwas rein, und hast diverse Falschaussagen:
      - Da steht nirgends, dass eine hohe Immunität breit vorhanden war, sondern dass VIELLEICHT eine Kreuzimmunität da ist.
      - Es ein neuer Typ von Coronavirus. Das ist so, und grundsätzlich kann man von geringer oder keiner Immunität ausgehen.
      - Was ist eine bessere Strategie? Der Wert sank ab, weil schon gewisse Massnahmen da waren. Und er war noch nicht unter 1.
      - Zu was passt, dass 25% Symptome entwickeln? Du dichtest da was rein. Symptomlos heisst nicht immun. Sondern dummerweise eben weiterverbreiten, ohne dass man es merkt.
    • Dr. Unwichtig 21.07.2020 20:13
      Highlight Highlight 1.) Ja - vielleicht. Aber sehr wahrscheinlich.
      2.) Ein neuer Typ, dessen Genom zu 90% mit SARS-CoV übereinstimmt (deshalb auch -2). Es konnte eben NICHT von völlig fehlender Immunität ausgegangen werden.
      3.) Ohne fehlende Immunität wäre der R-Wert kaum so schnell und nachhaltig abgesunken. Tatsächlich hatte der Lockdown nur marginalen Einfluss.
      4.) Wenn eine Immunität primär auf T-Zellen basiert, kann eine infizierte Person dennoch leicht ansteckend sein. Bis COVID-19 galt bei der WHO die Gleichung: Nachweislicher Kontakt mit Virus ohne Erkrankung (also ohne Symptome) = Immunität.
  • Gubbe 21.07.2020 08:23
    Highlight Highlight "Die Sars- und Mers-Coronaviren konnten dort schlecht angreifen, sondern infizierten nur die Lungen".
    Am 18.07.20 habt ihr geschrieben, dass Lungen, Herz, Nieren, Leber angegriffen würden. Jetzt sind es wieder nur die Lungen. Hauptsache scheint, dass die Angst hochgehalten wird. Koordination ist Nebensache geworden.
    • Pat the Rat, einfach nur Pat the Rat 21.07.2020 13:07
      Highlight Highlight Im Artikel sind die Erreger von:

      "Schweres akutes Atemwegssyndrom" („SARS-Coronavirus“ (SARS-CoV-1))
      https://de.wikipedia.org/wiki/Schweres_akutes_Atemwegssyndrom

      und

      "MERS-CoV" („Nahost-Atemwegssyndrom-Coronavirus“ (MERS-CoV))
      https://de.wikipedia.org/wiki/MERS-CoV

      gemeint, die "nur" die Lunge angreifen.

      Der Mistkerl, der auch die anderen Organe befallen kann heisst SARS-CoV-2...
    • Cogglesnatch Lingerie 21.07.2020 13:38
      Highlight Highlight Nein, es geht nicht um Angst hoch zu halten. Es geht darum richtig zu lesen.

      Die Aussage oben ist bezogen auf frühere SARS und MERS Viren.

      Die Aussage, dass auch andere Organe geschädigt werden können, betrifft spezifisch die Krankheit Covid-19
  • rodolofo 21.07.2020 08:17
    Highlight Highlight ...
    Es gibt grundsätzlich zwei einander ergänzende Wege, auf denen wir unser Immunsystem stärken und trainieren, sowie Krankheiten bekämpfen können:
    1. Weg (Komplementärmedizin):
    Gesundheit durch GANZHEITLICHE Lebensqualität:
    - Vollwertige und vielseitige Bio-Ernährung
    - Viel Bewegung an der frischen Luft
    - Zufriedenheit durch lebendige Beziehungen, "Leben und leben lassen", Ehrlichkeit, Vertrauen, etc.
    - Befriedigende Arbeit
    - wenig Stress
    - Bauernhöfe als "Trainingscamps"
    - usw.
    2. Weg (Schulmedizin):
    Bekämpfung mittels Hygiene, Medikamente, Behandlungen, Chirurgie, Intensivstationen, etc.
    • Mijasma 21.07.2020 15:35
      Highlight Highlight Da würde ich jetzt mal sagen. Zu das eine und lass das andere nicht.
    • ujay 21.07.2020 17:59
      Highlight Highlight @Rodolofo: Aha, hast du einen Bioladen? :=)))
    • rodolofo 22.07.2020 08:44
      Highlight Highlight @ ujay
      Als "Alternativer" im Nicht-Trump'schen Sinne halte ich nicht viel von Besitz, aber sehr viel von Verantwortung und "Verstand mit Herz".
      Gestern kam auf "arte" ein Film, der besser ausdrückt, was ich hier zu sagen versuche.
      Vor lauter (militärischem) "Schutz" und angepasstem System-Denken löschten sich die zwei Grossmächte USA und Sowjetunion beinahe aus.
      Nur mit unglaublichem Glück und dank EINEM einzelnen Menschen ging das Leben weiter und können wir heute Kommentare schreiben...
      https://www.arte.tv/de/videos/039911-000-A/der-mann-der-die-welt-rettete/
  • CogitoErgoSum 21.07.2020 08:13
    Highlight Highlight Diese Erkenntnisse machen Erleiterung und Mut. Jetzt aber immer noch nicht übermütig werden. Es lohnt sich.
  • rodolofo 21.07.2020 08:08
    Highlight Highlight Also betonen wir das nochmals:
    Die eigentliche Basis einer erfolgreichen Bekämpfung der neuen Covid-19-Viren ist -sowohl jetzt und ohne Impfstoffe, als auch in Zukunft voraussichtlich mit Impfstoffen- Unser IMMUNSYSTEM!
    Also klatschen wir doch einmal symbolisch für dieses hervorragende Instrument, welches uns Mutter Natur eingepflanzt hat, damit wir mühsame bis gefährliche Viren (ebenfalls von Mutter Natur) in Schach halten kann!
    ...
    • HAL1 21.07.2020 08:17
      Highlight Highlight Mutter Natur spielt schach mit sich selbst😂
    • rodolofo 22.07.2020 08:49
      Highlight Highlight @ HAL1
      Ja, sozusagen. Wäre ja sonst langweilig.
      Warum rennen erwachsene Männer und immer mehr erwachsene Frauen Bällen nach und versuchen, diese in gegnerische Tore zu schiessen, wo sie es doch viel einfacher haben könnten, indem sie sich entweder gar nicht für Fussball interessieren würden, oder indem sie die Regeln so bestimmen würden, dass immer nur eine Mannschaft auf ein Tor spielen würde?

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