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Künstlerische Darstellung des Hominiden Danuvius guggenmosi

So könnte Danuvius guggenmosi ausgesehen haben. Bild: Christoph Jäckle/Universität Tübingen

Der erste aufrecht gehende Vorfahre des Menschen lebte vor 12 Millionen Jahren im Allgäu



Forscher haben in Süddeutschland einen neuen Vorfahren des Menschen entdeckt. Der aufrechte Gang und die gemeinsamen Vorfahren des Menschen sowie des Menschenaffen entwickelten sich möglicherweise in Europa, wie aus einer Studie eines internationalen Forschungsteams unter der Leitung einer Tübinger Paläontologin hervorgeht, die am Mittwoch im wissenschaftlichen Fachmagazin «Nature» veröffentlicht wurde.

Die Forscherin Madelaine Böhme entdeckte in der Tongrube «Hammerschmiede» im Landkreis Ostallgäu in Bayern Fossilien einer bislang unbekannten Primatenart, die dort vor fast zwölf Millionen Jahren lebte. Die versteinerten Überreste des Danuvius guggenmosi lassen demnach den Schluss zu, dass er sich auf zwei Beinen und kletternd fortbewegen konnte. Die Fähigkeit, aufrecht gehen zu können, gilt als zentrales Merkmal des Menschen.

A man holds bones of the previously unknown primate species Danuvius guggenmosi in his hand in Tuebingen, Oct.17, 2019. Palaeontologists have discovered fossils in southern Germany that shed new light on the development of the upright corridor. (AP Photo/Christoph Jaeckle)

Knochen eines Danuvius guggenmosi. Bild: AP

Die Forscher kommen zum Schluss, dass Menschenaffen bereits vor zwölf Millionen Jahren aufrecht gehen konnten. Bislang galten sechs Millionen Jahre alte Funde auf Kreta und in Kenia als älteste Belege für den aufrechten Gang.

«Die Funde aus Süddeutschland sind ein Meilenstein der Paläoanthropologie, denn sie stellen unsere bisherige Sichtweise auf die Evolution der grossen Menschenaffen und des Menschen grundlegend in Frage», erklärte Böhme.

Bis heute ist unklar, wie sich die Fähigkeit der Fortbewegung auf zwei Beinen entwickelte. Theorien sprechen dafür, dass sie sich aus einer vierbeinigen Fortbewegung wie bei Meerkatzen oder hangelnd wie bei Orang-Utans entwickelt haben könnte. Möglich ist aber auch, dass sie sich durch den Knöchelgang entwickelte – ähnlich wie bei Schimpansen oder Gorillas. Für die zahlreichen Hypothesen der vergangenen 150 Jahre fehlten oft fossile Beweise.

Karte des Fundorts von Danuvius guggenmosi.

Der Fundort der Fossilien liegt im Ostallgäu. Karte: Nature.com

Ähnlichkeiten mit Bonobos

Die Fossilien des Danuvius guggenmosi entdeckten die Forscher zwischen 2015 und 2018. Die Funde konnten mindestens vier Individuen zugeordnet werden. Das am besten erhaltene Skelett eines männlichen Danuvius guggenmosi ähnelt einem Bonobo. «Zum ersten Mal konnten wir mehrere funktionell wichtige Gelenke – darunter Ellbogen, Hüfte, Knie und Sprunggelenk – in einem einzigen fossilen Skelett dieses Alters untersuchen», erklärte Böhme.

Da die Arm- und Beinknochen vollständig erhalten waren, konnten die Forscher die Fortbewegung rekonstruieren. Demnach konnte der Danuvius guggenmosi auf zwei Beinen gehen und klettern wie ein Menschenaffe. Körperbau, Körperhaltung und Fortbewegungsweise seien für einen Primaten einzigartig.

Durch eine abgespreizte Zehe habe er grosse und kleine Äste sicher greifen können. Diese Ergebnisse liessen den Schluss zu, dass sich der aufrechte Gang des Menschen vor zwölf Millionen Jahren in Bäumen entwickelte. Der Danuvius guggenmosi war etwa einen Meter gross. Weibchen dürften etwa 18 Kilogramm gewogen haben, Männchen 31 Kilogramm. (sda/afp)

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    Alle Leser-Kommentare
  • rodolofo 08.11.2019 10:24
    Highlight Highlight Und da leben sie noch heute... ;)
  • ConcernedCitizen 08.11.2019 07:48
    Highlight Highlight Der Titel... 🤨
    “Der älteste, bisher gefundene, aufrecht gehende Vorfahr des Menschen...“ wäre genauer gewesen.
    • Dani B. 09.11.2019 13:47
      Highlight Highlight Eben nicht.
      Er wurde nicht Vorfahre.
  • Alienus 07.11.2019 20:48
    Highlight Highlight Freude herrscht.

    Der Björn, der Höcke, der hat endlich seinen direkten Altvorderen der Gattung „Danuvius guggenmosi hoeckeri“ gefunden.
    • Maracuja 07.11.2019 22:57
      Highlight Highlight Solange die Forschung noch nicht belegen kann, dass „Danuvius guggenmosi“ nicht nur aufrecht stehen, sondern gleichzeitig den rechten Arm in einem bestimmten Winkel anheben konnte, ist es definitiv noch zu früh über eine Unterart „hoeckeri“ zu spekulieren.
  • Gubbe 07.11.2019 17:40
    Highlight Highlight Wer hätte das gedacht. Der erste Mensch der aufrecht ging, war Deutscher. Sprach er auch als Erster? Dann ist es wie heute.
    • Mutzli 07.11.2019 18:18
      Highlight Highlight @Gubbe

      "Dann ist es wie heute."

      -...bitte was?
    • D(r)ummer 08.11.2019 07:41
      Highlight Highlight Zumindest das laute herumbrüllen ist einigen Deutschen geblieben.
  • Erlins Bach 07.11.2019 17:38
    Highlight Highlight Das sind eigentlich bad news, denn der aufrechte Gang ermöglichte die Entwicklung des Gehirns, folglich begann diese auch schon vor 12 Mio. Jahren. Unsere Dummheit ist also auf einen Schlag doppelt so alt geworden und kann nicht länger als "Kinderkrankheit" entschuldigt werden.
  • Pinhead 07.11.2019 17:37
    Highlight Highlight Deutschland, die Wiege der Menschheit? Das hat Höcke schon lange gewusst.
    • redeye70 07.11.2019 18:55
      Highlight Highlight Nun ja, vor so langer Zeit lag „Deutschland“ kaum in den heutigen Breitengraden 😉
  • Saerd neute 07.11.2019 17:28
    Highlight Highlight Beim Danuvius guggenmosi wurden Reste eines primitiven Smartphones gefunden. Nebst den weissen Socken ist das ein Hinweis das es sich um einen Akademiker handeln musste.
  • Toni.Stark 07.11.2019 16:48
    Highlight Highlight Man, wenn kommt die nächste Mutation? Ich brauche ein paar Superkräfte wie die X-Men. 😏
  • Glenn Quagmire 07.11.2019 16:11
    Highlight Highlight Danach ging der Danuvius guggenmosi nach Thüringen und entwickelte sich nicht weiter.
  • smoking gun 07.11.2019 15:36
    Highlight Highlight Baumspringende oder am Boden hüpfende Dinosaurier haben sich zu Vögel entwickelt. Das finde ich erstaunlich. Die vorderen Gliedmassen ermöglichen das Fliegen - ein Wunder der Evolution.

    Affen, die mit ihren Händen Früchte pflücken, ihre Babies halten, nach Wurzeln graben oder aufrecht stehend nach Futter oder Feinde Ausschau halten, sind da mit ihrem aufrechten Gang weniger spektakulär.

    Aber unser Gehirn, ja das toppt alles.

    (Ich hoffe im zweiten Kommentar wird klarer, was ich sagen wollte)

  • Cirrum 07.11.2019 15:17
    Highlight Highlight Langsam gehen den religiösen Adam und Eva Gläubigen die Argumente aus🙈
    • Weiter denken 07.11.2019 20:03
      Highlight Highlight Irrtum, die Religioten brauchen keine Fakten. Sie glauben einfach was in ihr bescheidenes Bild von der Realität passt und alles andere wird geleugnet!
    • Rabbi Jussuf 07.11.2019 21:49
      Highlight Highlight sa5
      Das ist wieder so eine Studie, die man erst einmal richtig verstehen muss. Ad Adam+Eva Getue verdeckt die Realität.
      Es mag schon stimmen, dass alle von diesen zwei (hypothetischen) Ureltern abstammen. Das heisst aber nicht, dass die damals alleine gewesen wären. Es heisst bloss, dass alle anderen Ahnenlinien irgendwann später ausgestorben sind. Das war ungefähr vor 70'000 Jahren, als es zu einem "Flaschenhals" kam und vermutlich höchstens 10'000 Individuen überlebten. So jedenfalls eine plausible Theorie dazu.
    • Rabbi Jussuf 07.11.2019 22:02
      Highlight Highlight Noch eine Sache, die bei dieser Studie unter den Tisch fällt:
      In der mütterlichen Linie geht es ja nur um Töchter (Mitochondrien vererben sich nur über Weibchen und erst noch asexuell). Da ist es egal was für ein Vater zum Nachwuchs verholfen hat. Das könnte auch ein Neanderthaler gewesen sein.
  • smoking gun 07.11.2019 14:55
    Highlight Highlight Vögel können auch auf zwei Beinen gehen. Warum sollte das beim Affen etwas besonderes sein? Den aufrechten Gang gibts auch beim Affen schon sehr sehr lange.
    • Ribosom 07.11.2019 21:09
      Highlight Highlight Affen können nur kurze Strecken aufrecht gehen. Da sie einen anderen Schwerpunkt besitzen als wir, macht es für sie unmöglich, länger auf zwei Beinen zu gehen.
      Hingegen können wir nicht wirklich auf allen Vieren laufen.
      Vögel haben einen ganz anderen Körperbau als Säugetiere und deren Körper wird anderen Anforderungen gerecht.
  • Kloddz 07.11.2019 14:21
    Highlight Highlight Jetzt habe ich doch tatsächlich zuerst "Aargau" gelesen...
    • Sir Lanzelot 07.11.2019 21:03
      Highlight Highlight Nein, dort leben die heute!
  • Scott 07.11.2019 14:19
    Highlight Highlight Gemäss aktueller Bericherstattung leben die in Ostdeutschland.
  • Abu Nid As Saasi 07.11.2019 14:18
    Highlight Highlight Kallstadt ist doch nicht im Allgäu
    • Alienus 07.11.2019 16:03
      Highlight Highlight Nein, aber der „Trumpius stupidius kallstadtus“ ist eine eigene, sehr ungewöhnliche und hirnkleine Gattung.

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