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Wie man mit Chili Leben rettet und besseren Sex hat đŸŒ¶đŸŒ¶đŸŒ¶

10 höllisch scharfe Fakten zur besten Pflanze der Welt.



Ich gestehe, ich bin ein «Chili Head».

In jungen Jahren wusste ich wenig anzufangen mit Peperoncini und Co. Grösstes kulinarisches Wagnis war beim Italiener ein bisschen Olio Piccante auf die Pizza zu trÀufeln.

Heute gibts Chili zum Zmorge. Am liebsten frisch aus dem Garten. HauchdĂŒnn geschnitten, aufs Honigbrot oder RĂŒhrei.

Zur Not tun's auch luftgetrocknete Chilis aus der Toscana, die zu feinem Pulver vermahlen wurden.

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Dieses Pulver kann auch Leben retten ... bild: watson

Damit sind wir bei den spannendsten Fakten angelangt. Und glaub mir, selbst wenn du bislang mit Chilis ĂŒberhaupt nichts anfangen kannst: Weiterlesen lohnt sich!

Der Song zur Story: «Otherside»

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Video: YouTube/Red Hot Chili Peppers

Chilis machen sĂŒchtig, aber nicht abhĂ€ngig

Chilis sind die gesĂŒndeste Droge der Welt. Weil unser Gehirn die SchĂ€rfe als Schmerz verarbeitet, schĂŒttet es körpereigene Schmerzmittel, sogenannte Opiatpeptide, aus.

Darauf folgen tatsĂ€chlich GlĂŒcksgefĂŒhle.

Man muss nur leicht masochistisch veranlagt sein, um den Hormonrausch am eigenen Leib zu erfahren.

Chilis betÀuben keine Geschmacksnerven, im Gegenteil:

Das Capsaicin regt nicht nur die Hitzerezeptoren im Mund an, sondern fördert auch die Durchblutung der benachbarten Geschmacksrezeptoren. Dies wiederum fĂŒhrt dazu, dass man auch weniger stark gewĂŒrzte Speisen besser schmeckt.

Chilis machen sĂŒchtig, aber nicht abhĂ€ngig:

«Capsaicin wohnt ein Suchtpotential inne, weil es zur Toleranzbildung kommt. Aufgrund dieses Gewöhnungseffekts der Geschmacksnerven muss die Dosis erhöht werden, um weiterhin den Reiz geniessen zu können. Diese Sucht ist jedoch ungefÀhrlich, weil sie nicht abhÀngig macht.»

quelle: chiliheads.de

FĂŒr AnfĂ€nger: Wer wiederholt Chilis isst, macht die eigenen Schmerzrezeptoren von Mal zu Mal unempfindlicher.

Chilis helfen, wenn man (viel) Alkohol trinkt

Chilis – in vernĂŒnftigen Mengen konsumiert – sind gut fĂŒr den Magen. Besser noch: Das in den Pflanzen enthaltene Capsaicin, ein Alkaloid, schĂŒtzt die Magenschleimhaut gegen schĂ€dliche Folgen von Alkohol oder auch Aspirin.

«Untersuchungen zeigen, dass Chilis dem Magen nicht schaden, sondern ĂŒberraschenderweise sogar einen Schutz liefern.»

Prof. em. Dr. med. Reinhard Saller

Bei meiner letzten Vorsorgeuntersuchung (was MĂ€nner ab einem gewissen Alter tun sollten) fragte ich den Facharzt, ob ich wegen des hĂ€ufigen und intensiven Chili-Konsums etwas zu befĂŒrchten hĂ€tte. Er verneinte und betonte, dass der Magen dadurch nicht angegriffen werde.

Wenn man es mit den Chilis ĂŒbertreibt, können aber andere SchleimhĂ€ute gereizt werden. Schlimm ist das nicht, unangenehm unter UmstĂ€nden schon đŸ˜± (siehe Punkt 9, «Wie man(n) dank Chilis besseren Sex hat»).

Gut zu wissen: Die krebshemmende Wirkung von Capsaicin wird durch die Kombination mit Koffein verstÀrkt.

PS: Und wie schon unser Food-Experte Oliver Baroni empfohlen hat, helfen Chilis hervorragend gegen Kater.

Wie du mit Chilipulver Leben rettest

Ich kenne einen Mediziner, der hat in seiner Praxis immer ein GlÀschen Chilipulver griffbereit. Nicht etwa, weil er gerne scharf isst, sondern um Patienten das Leben zu retten.

Bei einem Herzinfarkt zÀhlt jede Minute.

Ein Teelöffel Chili-Pulver in einem Glas mit warmem Wasser verrĂŒhren und der (wachen!) Person zu trinken geben. Als Alternative können auch einige Tropfen unter die Zunge getrĂ€ufelt werden. Oder man reibt eine scharfe Salbe ein:

Eine 2013 in der wissenschaftlichen Zeitschrift «Circulation» publizierte Tierstudie ergab, dass Capsaicin-Salbe, die bei einem Herzinfarkt auf der Haut gerieben wurde, das Absterben von Herzzellen um 85 Prozent reduzierte. Die Ergebnisse veranlassten die Forscher, die Salbe zu empfehlen, um «das Ausmass und die Folgen eines Herzinfarkts» einzudÀmmen.

Die stimulierende Wirkung des Capsaicins hilft ĂŒbrigens auch, Arterien zu erweitern, den Blutdruck zu regulieren, die Herzleistung zu verbessern und Blutgerinnseln vorbeugen.

Nichts fĂŒr schwache Nerven! In eine offene Wunde gestreut, soll Chili-Pulver angeblich in wenigen Minuten die Blutung stoppen und dies passiere erst noch schmerzlos!?

Im folgenden Video erzĂ€hlt ein Mann, wie er sich eine schwere Verletzung an der Hand zuzog und sich mit Chilipulver selber Erste Hilfe leistete. 😳 Das habe auch gegen den Schock geholfen. Und es habe ĂŒberhaupt nicht «gebrannt».

Hat sich das tatsÀchlich so zugetragen und geholfen? Gegenfrage eines Mediziners: «Warum sollte man das machen, wenn es bewÀhrtere Methoden gibt?»

Ganz sicher ist hingegen, dass Chilis gegen chronische Nervenschmerzen helfen, die fĂŒr Betroffene unertrĂ€glich sind, etwa ausgelöst durch eine Chemotherapie, Diabetes oder Infektionen wie Borreliose, GĂŒrtelrose oder HIV.

Last but not least: Chilis können Pilze und Bakterien im Verdauungstrakt abtöten. Auch das kann Leben retten, etwa in heissen LÀndern wie beispielsweise Mexico oder Indien, wo das Risiko einer Salmonellenerkrankung sehr hoch ist.

Keine Scherze!

Chilis sind nichts fĂŒr Kinder.

Und man treibt damit keine blöden Scherze.

Beides kann gravierende gesundheitliche Folgen haben fĂŒr die Konsumenten. Und das will wirklich niemand.

Die folgende Szene stammt zwar aus einer Hollywood-Komödie, hat aber einen ernsten Grund: Niemals sollte man jemandem ohne dessen Wissen scharfe Chilis verabreichen. Never!

Gut zu wissen: Schwangere und Stillende können Chilis ohne Bedenken geniessen, wenn sie sich dabei wohlfĂŒhlen.

Was die Evolution mit Capsaicin vorhatte

Chilis stammen aus SĂŒdamerika: Um im feucht-heissen Amazonas-Klima ihr Überleben zu sichern, entwickelten sie im Laufe der Evolution den Anti-Schimmelstoff Capsaicin.

Capsaicin schreckt auch Nager und andere SĂ€ugetiere ab, die sich an den bunten FrĂŒchten laben wollen. Vögel hingegen reagieren nicht darauf, weil ihre Nervenzellen anders aufgebaut sind. Indem Chilis sich speziell Vögeln als Futter anbieten, erreichen sie eine weitere Verbreitung der Samen.

Statt im Schnabel entfalte Capsaicin seine Wirkung erst im Darm der Vögel, schreibt die NZZ: «Als AbfĂŒhrmittel sorgt es fĂŒr eine beschleunigte Freigabe der Samen.»

Was die Engelstrompete mit Chilis zu tun hat

Chilis gehören botanisch zur Familie der NachtschattengewÀchse (Solanaceae). Wie die Engelstrompete. Oder die Kartoffel (siehe nÀchster Punkt).

Warum Pfeffer kein Chili ist, aber Cayennepfeffer und Paprika schon 😏

Es herrscht viel Verwirrung um den Namen, dabei ist es eigentlich ganz einfach: Chilis sind Chilis und sollten meiner Meinung nach lĂ€nderĂŒbergreifend so bezeichnet werden. Aber:

Das Schlamassel fing mit Kolumbus im 15. Jahrhundert an. Der berĂŒhmte Entdecker lag gleich zweimal falsch.

Wie wir wissen, landete Kolumbus nicht in Indien, sondern versehentlich in Amerika. Und er brachte neben der Kartoffel und verschleppten «Indianern» auch Chili-Schoten zurĂŒck.

Damals waren Chilis ausserhalb SĂŒdamerikas unbekannt. Das einzige scharfe GewĂŒrz hierzulande war der «echte» schwarze Pfeffer, auf Lateinisch Piper Nigrum. Den konnten sich aber nur die Reichen leisten, denn die Pfefferbeeren wuchsen ausschliesslich an BĂŒschen im fernen Indien.

Weil man die Pflanzen mit den scharfen FrĂŒchten fĂŒr Verwandte des aus Indien bekannten Pfeffers hielt, gab man ihnen den Namen Pimienta (spanisch fĂŒr «Pfeffer»).

Alles klar? 🙈

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Calechutischer Pfeffer (Capsicum annuum). bild: Leonhart Fuchs/neues Kreuterbuch, Basel 1543 (public domain)

Das Essen, das zurĂŒckbeisst

Die botanische Bezeichnung fĂŒr Chili-Pflanzen ist Capsicum. Sowohl dieser Name als auch Capsaicin stammen von einem griechischen Wort, das «beissen» bedeutet. Chilis sind also das Nahrungsmittel, das zurĂŒckbeisst. 😉 Zu Zeiten, als Napoleon Hauptmann war und Marie Antoinette ihren Kopf verlor, wurden BĂŒcher ĂŒber die «Beissbeere» geschrieben.

Warum du von Tabasco und anderen Fertig-Saucen besser die Finger lÀsst

Chilis sind nicht nur unbedenklich fĂŒr den Magen, sondern helfen im Gegenteil bei Verdauungsbeschwerden und VöllegefĂŒhl. Was man hingegen nicht in grossen Mengen konsumieren sollte, ist Tabasco. Die Sauce enthĂ€lt hochkonzentrierten Essig, dieser kann Magen und Darm angreifen und – wie etwa ĂŒbermĂ€ssiger Aspirin-Konsum – zu EntzĂŒndungen fĂŒhren.

Abgesehen davon habe ich etwas gegen E-Zusatzstoffe und Konservierungsmittel in Lebensmitteln und empfehle darum, Chili-Saucen am besten selber herzustellen. Das Kochen macht Spass und man weiss, was drin steckt. (Das Geheimrezept zu meiner Lieblingssauce verrate ich ein anderes Mal.)

Chili-Pulver in Demeter-QualitÀt gibts zum Beispiel beim italienischen Unternehmen Peperita. Die im Online-Shop gekauften Produkte werden zuverlÀssig in die Schweiz geliefert.*

Auch dort gilt: Von den kĂŒnstlich gepushten Super-Picante-Saucen wĂŒrde ich die Finger bzw. den Mund lassen.

Das gilt insbesondere auch dann, wenn man nach dem Essen noch anderes vorhat mit Mund und Zunge ...

* Welches ist dein bevorzugter Chili-Dealer? Hinweise (bitte mit BegrĂŒndung) via Kommentarfeld!

Wie man(n) dank Chilis besseren Sex hat

Capsaicin steigert die Libido. Das Herz-Kreislauf-System wird stimuliert und gleichzeitig schĂŒttet das Hirn GlĂŒckshormone (Endorphine) aus. Die Poren der Haut öffnen sich. Sie wird sensibler und reagiert empfindlicher auf BerĂŒhrungen.

Und gegen die Erweiterung der BlutgefÀsse im ganzen Körper ist auch nichts einzuwenden, liebe Geschlechtsgenossen.

Interessant: Chilis heben den Testosteron-Spiegel. Oder ist es umgekehrt und steigert ein hoher Testosteron-Wert die Lust auf Scharfes? Forscher sind sich nicht sicher. Egal!

Mit Chili-Spuren an den Fingern sollte man keinesfalls intimere Körperregionen berĂŒhren. Wer fĂŒr die Liebste oder den Liebsten kocht, trĂ€gt beim Chili-RĂŒsten Handschuhe!

Was wirklich gegen Chili-SchÀrfe hilft

Eiskaltes Bier. SpĂ€testens beim zweiten Liter! 😉

Gut zu wissen: Capsaicin ist nicht wasserlöslich. Es löst sich aber sowohl in Alkohol wie in Fett.

Bonus: Wo es das schönste Chili-Fest «in der NÀhe» gibt

Wer im Oktober Zeit hat, reist in die Toscana. Dort findet im historischen Stadtzentrum von Camaiore das Festa Pic statt. Ein zweitÀgiger Anlass, an dem sich alles um Chilis dreht.

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