Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Forscher identifizieren erstmals Grosshirnareal, das bei Autisten anders sein könnte

Autisten können sich kaum auf neue Verhältnisse einstellen. Gesunden Menschen ermöglicht das ein neu erkannter Vorgang im Gehirn.

Bruno Knellwolf / CH Media



Hirn frau

Die Grosshirnrinde kontrolliert über verschiedene Hirnareale unsere Entscheidungen. Bild: shutterstock.com

Die Plastizität unseres Gehirns hilft uns ein Leben lang. Sie ermöglicht, dass wir in jedem Alter etwas lernen oder uns auf neue Situationen einstellen können. Autisten und Schizophrenen fehlt diese Flexibilität, was ein normales Leben verunmöglicht. Zu einem besseren Verständnis solcher Hirnkrankheiten trägt nun eine Studie des Instituts für Hirnforschung der Universität Zürich bei, die soeben in der Fachzeitschrift ­«Nature» veröffentlicht worden ist.

Hirnkranke haben Mühe, sich schnell an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Das müssen wir aber laufend tun, zum Beispiel wenn wir auf gewohnte Verhaltensweisen wie das Händeschütteln verzichten müssen. Diese Fähigkeit ist eine besondere Leistung des Gehirns, ermöglicht durch biologische Prozesse, die bis anhin noch sehr unvollständig verstanden waren.

Nun ist dem Team von Fritjof Helmchen ein Schritt zur Aufklärung gelungen. Die Hirnforscher haben ­herausgefunden, dass ein Teil der Grosshirnrinde, die gleich hinter den Augen liegt, die Nervenzellen in gewissen Arealen umprogrammieren kann. Die Zürcher Forscher konnten das feststellen, in dem sie die Hirnzellen von Mäusen beim Umlernen unter kontrollierten Bedingungen beobachteten.

Mit süsser und saurer Belohnung konnten sie die Funktion einzelner Nervenzellen in den beteiligten Hirnarealen aktivieren und analysieren. Dabei zeigte sich, dass eine Gruppe von Hirnzellen in der Grosshirnrinde, orbitofrontaler Kortex genannt, während des Umlernens auf eine neue Umweltsensation besonders aktiv ist. Helmchen erklärt:

«Wir konnten zeigen, dass eine direkte Verbindung vom orbitofrontalen Kortex zu sensorischen Hirnarealen besteht und dass dort ein Teil der Nervenzellen umgepolt wird.»

Für die Flexibilität unseres Verhaltens und die Möglichkeit, sich auf neue Situationen einzustellen, sind nach Helmchen die Plastizität dieser Hirnzellen und die Instruktion durch die höhere Instanz der Grosshirnrinde entscheidend.

Dass die Grosshirnrinde an Entscheidungsprozessen beteiligt ist, war schon bekannt. Sie sorgt dafür, dass wir auf äussere Umstände angemessen reagieren, was Hirnkranke nicht können. Nun sind auch die dieser Funktion zugrunde liegenden Nervenschaltkreise bekannt, nachgewiesen bei Mäusen. Die Forscher gehen davon aus, dass sich diese Funktion in ähnlicher Weise auch im menschlichen Gehirn abspielen.

Die Grosshirnrinde kommuniziert und kontrolliert über verschiedene Hirnareale unsere Entscheidungen - die falschen und die richtigen. Dieses Wissen über die komplizierten Vorgänge im Gehirn bei Entscheidungsprozessen hilft vielleicht, Autismus und Schizophrenie zu bekämpfen.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Achtung, Brainf*ck! Diese Bilder werden dein Hirn komplett kirre machen

«Benutzt euer Gehirn! F***!»

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Themen

Wie man das Coronavirus am besten bremst – und welche Länder das am besten schaffen

Seit die Corona-Pandemie Europa erreicht hat, diskutieren Experten, Politiker und auch die Allgemeinheit die Frage, welche Massnahmen geeignet sind, die Ausbreitung von SARS-CoV-2 zu bremsen. Zugleich – und mit dieser Frage verschränkt – gibt es auch eine Diskussion darüber, welche Länder mit der Herausforderung durch die Pandemie am besten fertig werden.

>> Coronavirus: Alle News im Liveticker

Der zweiten Frage hat sich die Wirtschaftsagentur «Bloomberg» angenommen. In einem umfassenden …

Artikel lesen
Link zum Artikel