Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Hannibals Übergang über die Alpen; kolorierter Holzschnitt von Heinrich Leutemann, 1866.
bild: wikimedia

Doch nicht durch die Schweiz: 2000-jähriger Kot verrät endlich Hannibals Alpenroute



Manchmal braucht man nicht mehr als ein bisschen Pferdekot, um ein über 2000 Jahre altes historisches Rätsel zu lüften. Bis heute war unklar, wo genau der gefürchtete Karthager Hannibal Barkas die Alpen durchquerte, um den Römern im Zweiten Punischen Krieg 218 v. Chr. entgegenzutreten. Jetzt hat sich ein Forschungsteam aus Mikrobiologen eingängig mit den Häufchen von Hannibals Pferden beschäftigt – und daraus dessen Alpen-Route herausgelesen. 

Hannibal musste bereits als neunjähriger Junge auf Drängen seines Vaters Hamilkar Barkas schwören, die Römer auf ewig zu hassen. Er wurde im Feldlager seines Vaters gross. Und nachdem dieser den Ersten Punischen Krieg gegen seine Erzfeinde verlor, wusste Hannibal, was zu tun war. 

Bild

Hannibals Kriegselefanten überqueren die Rhone: Gemälde von Henri Motte, 1878.
bild: wikimedia

Mit etwa 30'000 Soldaten, 15'000 Reitern und 37 Kriegselefanten zog er von der iberischen Halbinsel nach Italien. Der römische Feldherr Publius Cornelius Scipio versuchte vergeblich, ihn an der Rhone abzufangen. Und so zog Hannibal mit seinem Heer über die Alpen, um die Römer im eigenen Land zu schlagen. 

Doch über die Route wurde bis anhin spekuliert. Drei Theorien sind im Umlauf: 

Bild

Die möglichen Routen, die Hannibal bei seiner Alpen-Überquerung genommen haben könnte. Die blaue, südliche Route über den Col de la Traversette hat sich nun als die richtige herausgestellt. 
bild: wikimedia

Das internationale Forschungsteam um Bill Mahaney von der Universität Toronto hat im Pferdemist die Spuren Hannibals herausgelesen: Der karthagische Heerführer nahm den Col de la Traversette, ein 2947 Meter hoher Pass in den Cottischen Alpen, an der Grenze zwischen Frankreich (südöstlich von Grenoble) und Italien (südwestlich von Turin).

Diese Route wurde vor über hundert Jahren vom Biologen Sir Gavin de Beer vorgeschlagen. Doch in akademischen Kreisen tendierte man grösstenteils zur Nordroute, weil sie weniger gefährlich ist und bereits vom römischen Geschichtsschreiber Livius (59 v. Chr. – ca. 17 n. Chr.) beschrieben wurde.

Bild

Hannibals Route von Spanien nach Italien mit den grossen Schlachten am Metaurus, am trasimenischen See, in Cannae und Zama. 
bild: wikipedia

Der Fundort des historischen Pferdemists 

Mittels einer Kombination aus mikrobischer Genanalyse und geophysischen Techniken fanden die Forscher nun grosse Mengen an tierischen Kot-Ablagerungen nahe des besagten Passes, die wahrscheinlich von Pferden stammen. Der Dung wurde durch die Radiokarbonmethode auf ca. 200 v. Chr. datiert (218. v. Chr. überquerte Hannibal die Alpen). Die Überreste der Pferde-Ausscheidungen wurden in einem sumpfigen Weiher gefunden. Hier wäre es den Tieren auch möglich gewesen, in grosser Zahl zu rasten und zu trinken.

Bild

Die Fundstelle: Über 70 Prozent der in dem Pferdemist gefundenen Mikroben gehören zur Gruppe der Clostridia. Diese Bakterien können in der Erde tausende Jahre überleben.
bild: Peeter Somelar of the University of Tartuu, via theconversation

Um vollständige Gewissheit zu haben, muss die Genanalyse des Forscherteams noch erweitert werden. Findet es Parasiten-Eier – winzige, genetische Zeitkapseln – wird es ihnen auch gelingen, die Präsenz von Pferden, Menschen und vielleicht auch Hannibals legendären Elefanten im Sumpf des Passes einwandfrei zu beweisen. 

«Das grosse Karthago führte drei Kriege. Nach dem ersten war es noch mächtig. Nach dem zweiten war es noch bewohnbar. Nach dem dritten war es nicht mehr aufzufinden.»

Bertolt Brecht

Es scheint also mehr als wahrscheinlich, dass Hannibal die südliche Route nach Italien genommen hat. Warum er sich allerdings für den gefährlichen Weg über den Col de la Traversette entschieden hat, bleibt Gegenstand von Spekulationen. Denkbar ist, dass ihm keine andere Möglichkeit blieb, da auf den anderen Routen die Gefahr eines Überfalls durch gallische Stämme erheblich grösser gewesen wäre. 

Nachdem Hannibal den mit 16 Legionen zahlenmässig überlegenen Römern in der Kesselschlacht von Cannae (216 v. Chr.) eine beispiellose Niederlage beigebracht hatte, war der Zenit der karthagischen Erfolge erreicht. 

Bild

Schlacht von Zama, 202 v. Chr., während des Zweiten Punischen Kriegs. Hannibal verlor gegen die Römer auf nordafrikanischem Boden. Gemälde von Henri-Paul Motte.
bild: wikimedia

Der über hundert Jahre andauernde Konflikt endete mit der vollständigen Zerstörung Karthagos im Jahre 146 v. Chr. Sechs Tage dauerte die Brandschatzung und Eroberung der blühenden Handelsstadt, 50'000 Einwohner ergaben sich und wurden in die Sklaverei verkauft. Dem Senatoren Cato reichte das aber nicht.

Bild

Natürlich finden wir die Anspielung auf Cato den Älteren auch bei «Asterix».

Deshalb schloss er der Überlieferung nach jede seiner Reden mit dem Satz: «Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden muss» («Ceterum censeo Carthaginem esse delendam»). Und so schleiften die Römer die bereits eroberte Stadt und die dazugehörige Burg Byrsa systematisch bis auf die Grundmauern. 

Bild

So mag Karthago etwa ausgesehen haben. Vermutlich war es die Stadt mit dem weltgrössten Hafen des 3. Jahrhunderts. Ein Doppelhafen; geteilt in einen Handels- und einen militärischen Bereich. 
bild: tunesieninformationen

Mehr altes Rom!

«Ad gladios!»: Wie gut sprichst du Asterix-Latein? 

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

Kaiserin Agrippina: Das herrschsüchtige Teufelsweib, das ganz Rom verführte und die Männer zu Sklaven machte

Link zum Artikel

Der römische Kaiser Nero und warum er gar nicht so ein Scheusal war – zumindest hat er Rom NICHT angezündet

Link zum Artikel

Tolle Trottel! Die Coen Brothers zeigen Hollywood von seiner allerdümmsten Seite

Link zum Artikel
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

22 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
Der Rückbauer
05.04.2016 15:14registriert September 2015
Fazit: In der Scheisse liegt eben die Wahrheit, seit Jahrtausenden.
1011
Melden
Zum Kommentar
Tilman Fliegel
05.04.2016 17:04registriert February 2014
Elefantenkot hätte mich vielleicht überzeugt, aber was soll Pferdekot schon beweisen?
676
Melden
Zum Kommentar
Sanchez
05.04.2016 17:48registriert March 2014
Cooler Bericht! Thanks a lot :-)
... Viel besser als drei Mal täglich Händeschüttel-Blabla aus Therwil..
373
Melden
Zum Kommentar
22

Zürich hatte «vielfältige und relevante» Verbindungen zur Sklaverei

Die Stadt Zürich war an der Sklaverei und dem Sklavenhandel finanziell beteiligt und so mitverantwortlich für die Versklavung tausender Afrikanerinnen und Afrikaner. Die Unterstützung erfolgte durch Staatsanleihen, den Handel und Plantagen.

Die Verbindungen Zürichs zur Sklavenwirtschaft waren «vorhanden, vielfältig und relevant», wie Frank Schubert, Mitautor einer Studie der Universität Zürich, am Dienstag vor den Medien sagte.

Diese Verbindungen waren Ausdruck einer Tradition einer langen …

Artikel lesen
Link zum Artikel