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Die Mauer ist offen: DDR-Bürger strömen am 9. November 1989 nach West-Berlin. Bild: EPA/DPA

Mehrere wollen es gewesen sein – doch wer hat die Berliner Mauer wirklich geöffnet?

Am späten Abend des 9. November 1989 strömten Tausende DDR-Bürger nach West-Berlin. Die Mauer war offen, 28 Jahre nach ihrem Bau. Wie es dazu kam, ist umstritten.



Eigentlich ist der Fall klar: Harald Jäger, Oberstleutnant der Staatssicherheit, am 9. November 1989 diensthabender Leiter am Grenzübergang Bornholmer Strasse, hat die Mauer geöffnet. Im Laufe des Abends kamen immer mehr DDR-Bürger zum scharf bewachten Grenzposten und forderten lautstark die Ausreise nach West-Berlin.

Jäger telefonierte mit seinen Vorgesetzten, doch die waren mit der Situation überfordert. Um 23.30 Uhr kapitulierte der Grenzschützer: Er liess den Schlagbaum öffnen, der Weg nach Westen war frei.

Former border guard Harald Jaeger poses for a photograph in his flat in Werneuchen, east of Berlin, Germany, Friday, Nov. 7, 2014.  Nearly 25 years since the fall of the Berlin Wall Jaeger has no trouble remembering exactly where he was when the first border crossing was opened. He was, after all, the East German border guard commander who made the decision to open Berlin's Bornholmer Strasse checkpoint — telling his men to stand aside and let the throng of people through. (AP Photo/Ferdinand Ostrop)

Harald Jäger öffnete als erster die Grenze. Bild: Ferdinand Ostrop/AP/KEYSTONE

Fünfeinhalb Stunden zuvor rechnete niemand mit einem solchen Szenario. Um 18 Uhr begann in Ost-Berlin eine Pressekonferenz. Politbüromitglied Günter Schabowski referierte über die Beschlüsse des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED).

«Das trifft nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich.»

Günter Schabowski

Interessant wurde es erst nach knapp einer Stunde: Ein Journalist fragte nach dem geplanten Reisegesetz. Schabowski liess die Bombe platzen: Für Bürger der DDR sei es neu möglich, «über Grenzübergangspunkte der DDR auszureisen».

Schlagartig herrschte Aufregung im Saal. Wann dies der Fall sei, wurde Schabowski gefragt. Er suchte in seinen Unterlagen und stammelte: «Das trifft nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich.» Für Spiegel Online war es «das folgenreichste Versehen der DDR-Geschichte», für das ZDF «der schönste Irrtum der Geschichte». Denn Schabowski hatte übersehen, dass die Regelung erst um 4 Uhr am nächsten Morgen verkündet werden sollte.

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Schabowski spricht die entscheidenden Worte. Video: YouTube/Estoniali

Für die Menschen in Ost-Berlin war es eine Initialzündung. Sie eilten zu den Grenzübergängen, um von der «sofortigen» Reisefreiheit zu profitieren. Nach jenem an der Bornholmer Strasse wurden in der gleichen Nacht auch andere geöffnet, schon in den folgenden Tagen begann die Demontage der Mauer, die Berlin 28 Jahre geteilt hatte. Wer aber hatte Günter Schabowski die entscheidenden Worte entlockt und die Maueröffnung ermöglicht? Gleich drei Journalisten streiten um die Ehre:

Der Italiener

Riccardo Ehrman war Korrespondent der italienischen Nachrichtenagentur ANSA in Ost-Berlin. Er fragte Schabowski in holprigem und wenig logischem Deutsch nach dem neuen Reisegesetz. Lange galt der heute 90-Jährige deshalb als «Maueröffner», er wurde 2008 von der deutschen Regierung sogar mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Allerdings tendiert Ehrman dazu, seine Rolle zu überhöhen und mit fragwürdigen Details anzureichern. So hat er in Interviews wiederholt behauptet, er habe auch die Frage «Ab wann?» gestellt.

Pressekonferenz am 9. November 1989 in Ost-Berlin: Günter Schabowski erklärt fälschlicherweise, die Grenze nach Westen werde sofort geöffnet.

Die Pressekonferenz vom 9. November: Riccardo Ehrman sitzt links neben dem Podium. Der Mann mit dem Arm auf der Lehne ist Peter Brinkmann. bild: Bundesarchiv

Der «Bild»-Reporter

Letzteres stimmt nachweislich nicht. Die Frage, die Schabowski fälschlicherweise mit «sofort» beantwortete, stammte von Peter Brinkmann, damals Korrespondent des Boulevardblatts «Bild» in der DDR. In der Fernsehaufzeichnung der Pressekonferenz ist seine Stimme deutlich zu hören. Zeitzeugen und Historiker bestätigen, dass Brinkmann die Frage stellte, die noch am gleichen Abend zum Run auf die Mauer führte.

Der Ex von Wagenknecht

Ein Dritter behauptet ebenfalls, er sei der Fragesteller gewesen: Ralph T. Niemeyer, gebürtiger West-Berliner und damals mit gerade mal 20 Jahren für den «Deutschen Auslandspressedienst Bonn» tätig. Er habe Schabowski gefragt, ab wann die Regelung gelte, sagte Niemeyer der «Saarbrücker Zeitung». Tatsächlich haben neben Brinkmann auch andere Journalisten nach dem «Wann» gefragt. «Schabowski kannte mich, und blickte wohl deshalb zu mir als ich rief: Ab wann gilt das?», meinte Niemeyer.

Liebkosungen zwischen Sahra Wagenknecht, Aushaengeschild der Kommunistischen Plattform der PDS, und dem Filmproduzenten und Journalisten Ralph-Thomas Niemeyer nach deren Hochzeit am Montag mittag, 5. Mai 1997, in Weimar. Beide traten in der deutschen Klassikerstadt vor den Standesbeamten. Symbolisch auch der Hochzeitstermin der 27jaehrigen Sahra Wagenknechts, der 5. Mai, Geburtstag ihres grossen Vorbilds Karl Marx. (AP Photo/Jens Meyer)

Ralph Niemeyer bei der Hochzeit mit Sahra Wagenknecht. bild: ap

Nachprüfen lässt sich diese Version kaum. Der 2015 verstorbene Günter Schabowski konnte selber nie sagen, wem er genau geantwortet hatte. Ralph Niemeyer ist eine schillernde Figur. Er war von 1997 bis 2013 mit Sahra Wagenknecht verheiratet, der heute mit Oskar Lafontaine liierten Vorzeigefrau der Linken. Er wurde 1996 wegen Finanzbetrugs verurteilt und ist heute Mitglied der SPD.

Der Moderator

Drei Journalisten wollen es gewesen sein. Doch ein vierter spielte ebenfalls eine wichtige Rolle: Hanns Joachim Friedrichs, Moderator der ARD-Sendung «Tagesthemen» und wohl angesehenster Fernsehjournalist der BRD. Um 22.45 Uhr eröffnete er die Sendung mit einer denkwürdigen Aussage: «Dieser 9. November ist ein historischer Tag. Die DDR hat mitgeteilt, dass ihre Grenzen ab sofort für jedermann geöffnet sind, die Tore in der Mauer stehen weit offen.»

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Die Anmoderation von Hanns Joachim Friedrichs. Video: YouTube/xy01

Das stimmte in keinster Weise, die Grenzübergänge waren zu jenem Zeitpunkt noch verriegelt. Doch viele Ostdeutsche, die ihrer Obrigkeit misstrauten, waren nun überzeugt, dass es wahr sein musste. Hatten sich zuvor erst einige hundert Leute an den Grenzübergängen versammelt, waren es nun Tausende. Knapp 45 Minuten nach Friedrichs' «unwahrer» Anmoderation öffnete Harald Jäger die Grenze an der Bornholmer Strasse.

Die Berliner Mauer war gefallen, weil Günter Schabowski und Hanns Joachim Friedrichs Blödsinn verzapft hatten.

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20Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • SteveLaCroix 07.11.2019 09:30
    Highlight Highlight Ganz schwacher Bericht! JEDER weiss, dass es Mitch Buchannon war! Ich habe kürzlich gerade wieder eine Baywatch-Sendung geschaut, da hat er es CJ Parker ins Ohr gehaucht, dass ER auf der Suche nach Freiheit zufällig in Berlin vorbeikam und mit blossen Händen die Mauer einriss und die DDR befreite! Danach sprach er via Uhr mit K.I.T.T., welcher ihn mittels Turbo Boost abholte! So und nicht anders war das liebe Amateure bei Watson!
  • annego 06.11.2019 16:13
    Highlight Highlight Der Riccardo ist also ein richtiger Ehr(en)man(n)
  • Snowy 06.11.2019 14:28
    Highlight Highlight ... and still the search goes on! *sing*
  • DerHans 06.11.2019 13:58
    Highlight Highlight Es gibt doch die Geschichte, dass David Hasslehoff der Meinung sei er habe die Mauer mit "I‘ve been lookin‘ for freedom" nieder gesungen.
    • Streuner 07.11.2019 19:46
      Highlight Highlight Mein Lieber... das ist keine Geschichte, das SIND FAKTEN
  • Skydancer 06.11.2019 13:40
    Highlight Highlight Es war doch David Haselhoff!
    • the_hoff 06.11.2019 18:52
      Highlight Highlight Yes sir. Kann ich so bestätigen
  • frantiscus 06.11.2019 13:38
    Highlight Highlight Eigentlich ist es völlig egal wer der Auslöser war. Hauptsache ist, dass es passiert ist.
  • Hans12 06.11.2019 13:34
    Highlight Highlight David Hasselhoff denk!
  • PlayaGua 06.11.2019 13:33
    Highlight Highlight David Hasselhoff natürlich.
  • ubu 06.11.2019 13:32
    Highlight Highlight Egal, was die Historiker*innen sagen, wir alle wissen, dass es David Hasslehoff war.
  • Sam1984 06.11.2019 13:26
    Highlight Highlight Alles Schwachsinn. Eigentlich wissen wir doch alle, dass nur einer für den Fall der Mauer verantwortlich ist:

    David Hasselhoff

    I've been looking for freedom ...
  • zombie1969 09.11.2014 13:10
    Highlight Highlight Wie Egon Krenz es doch noch mit Stolz im Unterton in die Welt hinaus posaunte: "die Panzer in den Kasernen liessen schon die Motoren warm laufen."
    Ohne M. Gorbatschow hätte es wohl ein riesiges Blutbad gegeben. Die schöne Geschichte, dass das Volk den Untergang des Regimes herbeigeführt hat, ist daher eher Wunschdenken. Die alten Herren hätten ihren Unrechtsstaat bis zum Letzten verteidigt, aber ohne das Kopfnicken des grossen Bruders traute man sich das nicht.
    Wolff Biermann hat da im Bundestag soeben die richtigen Worte an die "Drachenbrut" gefunden.
  • Lowend 09.11.2014 12:55
    Highlight Highlight Ich gedenke lieber dem Held und Freiheitskämpfer Georg Elser, der am 8. Nov. 1939 den grauenhaften Mörder und Volksverhetzer Adolf Hitler im Münchener Bürgerbräukeller ermorden wollte und wenn er reüssiert hätte, Millionen von unschuldigen Menschen das Leben gerettet hätte!

    http://www.georg-elser.de/dok/index.html
    • Sam1984 06.11.2019 13:29
      Highlight Highlight Schwieriges Thema:

      Wer sagt den, dass wenn A.H. getötet worden wäre nicht einfach ein anderer die Nazis angeführt hätte, z.B. Himmler, Göring oder Göbbels ?

      Ich denke, man macht es sich zu einfach, wenn man glaubt alles wäre friedlich geblieben, wenn A.H. getötet worden wäre.
    • Heinzbond 06.11.2019 13:34
      Highlight Highlight
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      Nicht ganz ernst gemeint lowend..
      Aber nicht böse gedacht...
    • Lowend 06.11.2019 15:14
      Highlight Highlight Nicht schlecht, wenn ein Artikel recycelt und damit mein Kommentar nach 5 Jahren wieder kommentiert wird!

      Wie man sieht, war schon damals das Nazithema (für mich) aktuell und es ist eigentlich erschreckend, dass es noch an Aktualität gewonnen hat.

      Zum Artikel würde ich heute noch anfügen, dass mich diese PK mit Schabowski sehr an das Buch «Sternstunden der Menschheit» von Stefan Zweig erinnert, wo er anhand von 14 Geschichten erzählt, wie eigentlich unbedeutende Ereignisse von normalen Menschen den Lauf der Zeitgeschichte verändert haben. Der Zettel, den er da vorlas, war so ein Moment.
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