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Begräbnis von Opfern der Beulenpest in Tournai. Miniatur aus den Chroniken des Abtes Gilles Li Muisis (1272–1352).

Opfer der Pest werden begraben. Miniatur aus dem 14. Jahrhundert. 

So wurde der Schwarze Tod nach Europa eingeschleppt



Nie traf eine Seuche Europa härter: Zwischen 1346 und 1353 raffte die Pest etwa einen Drittel der damaligen europäischen Bevölkerung hinweg – schätzungsweise 25 Millionen. Der Schwarze Tod, wie schon die Zeitgenossen den vernichtenden Seuchenzug nannten, wurde vom Erreger Yersinia pestis ausgelöst. Das tödliche Bakterium, so viel ist bereits seit einigen Jahren klar, stammte aus Asien

Undated handout image provided by Rocky Mountain Laboratories showing an electron micrograph depicting a mass of Yersinia pestis bacteria (the cause of bubonic plague). (AP Photo/Rocky Mountain Laboratories)

Der Pesterreger, Yersinia pestis. Bild: AP Rocky Mountain Laboratories

Dagegen war bisher umstritten, auf welchem Weg der Schwarze Tod nach Europa gelangte. Und es war auch unklar, ob die Pest mehrmals von Neuem eingeschleppt worden war oder hier in Nischen überlebte und dann von dort aus erneut zuschlug.

Diese Fragen könnte nun ein internationales Team von Paläogenetikern gelöst haben. Amine Namouchi von der Universität Oslo analysierte mit seinem Team die DNA von Erregern, die sie auf Pesttoten des 14. Jahrhunderts in Südfrankreich, der Toskana, den Niederlanden und Oslo gefunden hatten. Die Resultate verglichen sie mit anderen, bereits untersuchten Pestfällen und mit zahlreichen Yersinia-pestis-Stämmen. Zudem zogen sie zeitgenössische Dokumente heran, um ihre Ergebnisse einzuordnen. 

Laut ihren Untersuchungen dürfte der Schwarze Tod wahrscheinlich über den Pelzhandel aus Russland und Zentralasien eingeschleppt worden sein. 

Weg der Pest nach Europa

Schematische Darstellung der Pelzhandelsrouten (weiss), Seidenstrasse (schwarz), Seehandelswege (blau) und Rückzugsgebiete des Pesterregers (gelb). Rote Punkte zeigen Orte, an denen das Genom des mittelalterlichen Pesterregers gefunden wurde.   Bild: PNAS

«Im Verlauf der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts spielten Bolgar und Nowgorod in Russland eine immer bedeutendere Rolle als Handelszentren für Pelze», schreiben die Wissenschaftler. «Schon seit dem ausgehenden 13. Jahrhundert hatte Nowgorod über die Hanse Zugang zu den westeuropäischen Märkten erhalten. Die Blüte der Hanse erlaubte Nowgorod, grosse Mengen von Pelzen über die Häfen von Hamburg und Lübeck nach London zu verschiffen.»

Vermutlich war dies jedoch nicht die einzige Route, über die der Pesterreger nach Europa gelangte. Die Seuche wurde auch über weiter südlich verlaufende Handelswege eingeschleppt; über Sarai an der unteren Wolga und die Krim-Hafenstadt Caffa am Schwarzen Meer. Der Aufstieg dieser Pelz-Handelswege fällt nach Ansicht der Forscher zeitlich mit dem Beginn des Schwarzen Todes in Europa zusammen. 

(dhr)

Die Pest existiert bis heute

Die erste belegte Pestepidemie begann im 6. Jahrhundert. Allein im 14. Jahrhundert tötete der Erreger Yersinia pestis nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 50 Millionen Menschen. 

Die Krankheit tritt in verschiedenen Formen auf, die alle zum Tod führen können: Die Beulenpest wird durch einen Floh verbreitet und äussert sich unter anderem in der Schwellung von Lymphknoten. Die Lungenpest gelangt über die Atemluft von Mensch zu Mensch.
Symptome sind unter anderem Husten und blutiger Auswurf. Zudem kann alleine oder als Komplikation der anderen Formen eine Pestsepsis entstehen, eine Blutvergiftung durch den Pesterreger, mit Verwirrtheit, Nierenversagen, Milz- und Lebervergrösserungen bis zum Herz-Kreislauf-Kollaps. 

1894 wurde das Bakterium Yersinia pestis entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch. Die WHO zählte 2013 dennoch knapp 800 Erkrankte, von denen 126 starben.

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4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Lörrlee 29.11.2018 13:56
    Highlight Highlight Also von wegen "umstrittener Weg"...
    In der Uni Basel zu den Mittelalter-Vorlesungen (Professor Sieber-Lehmann, Super Professor übrigens) hiess es, sofern ich mich recht entsinne, dass sich die Pest über den Schiffahrtsweg mittels Murmeltieren übertragen hatte.

    Genaueres habe ich mir nicht gemerkt, für mich reichte diese Info. Aber sollte der Autor dieses Artikels da nachhaken wollen, wäre eine Mail an den Professor sicher nicht verkehrt.
  • Damo Lokmic 29.11.2018 08:15
    Highlight Highlight Immer wieder spannend diese mittelalterlichen Geschichten.
  • Friction 28.11.2018 23:17
    Highlight Highlight „Pelz tragen tötet“ - in diesem Kontext eine ganz „neue“ Bedeutung...
    • Netty Bumppo 29.11.2018 07:15
      Highlight Highlight Ja, und Synthetik Klamotten reichern süß und Salzwasser bei jedem Waschgang mit Microplastic an. Daher mein Vorschlag, man sollte auch alle microfaser Klamottenträger mit roter Farbe Ansprühen! Das hat bei der Pelzindustrie auch Wirkung gezeigt!

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