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epa08598123 An undated handout photo made available by the Biden Harris Campaign shows former US Vice President and presumptive Democratic candidate for President Joe Biden with California Senator Kamala Harris, released after the campaign announced that Biden has chosen Kamala Harris as his vice presidential running mate, (issued 11 August 2020). The two are scheduled to appear together at an event in Wilmington, Delaware, USA, on 12 August 2020.  EPA/BIDEN CAMPAIGN / ADAM SCHULTZ HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Joe Biden hat sich für Kamala Harris entschieden. Das Wikipedia-Orakel wusste das schon vorher. Bild: keystone

Das Wikipedia-Orakel wusste schon vorher, dass Biden Kamala Harris wählen würde



Endlich hat Joe Biden seine Wahl getroffen. Am Dienstag gab der Präsidentschaftskandidat der Demokraten bekannt, wen er als «running mate» nominiert: Kamala Harris, die 55-jährige Senatorin aus Kalifornien, die bis vergangenen Dezember selbst Präsidentschaftskandidatin war.

Zuvor hatten die Beobachter wochenlang gerätselt, mit wem Biden antreten werde. Sie hätten es sich leicht machen und einfach das Wikipedia-Orakel befragen können. Wikipedia-Orakel? Es geht um eine eigenartige Korrelation, die der Publizist Micah Sifry in einem Artikel auf Medium in Erinnerung ruft: Das Rennen macht jene Politikerin, deren Wikipedia-Seite in den letzten sechs Wochen vor der Nomination am häufigsten editiert wurde.

In der Tat traf das Wikipedia-Orakel zu: Der Wikipedia-Artikel über Kamala Harris wurde in den sechs Wochen vor Bidens Entscheidung 400 Mal editiert. Mehr als die Hälfte dieser Vorgänge entfielen allerdings auf allein die erste dieser sechs Wochen. Hätte man nur die Änderungen der letzten drei Wochen berücksichtigt, wäre es Susan Rice gewesen, die ehemalige Sicherheitsberaterin von Barack Obama.

Wikipedia-Orakel zur Nominierung der Vizepräsidentschaftskandidatin der Demokraten, 2020

Mit Abstand am meisten Änderungen des Wikipedia-Artikels gab es bei Kamala Harris. Diagramm: Micah Sifry

Das Wikipedia-Orakel habe bereits 2008 und 2012 funktioniert, schreibt Sifry. Damals hätten politikinteressierte Nerds die Anzahl der Edits bei den Wikipedia-Artikeln der potentiellen Kandidaten und Kandidatinnen als Kriterium für eine Voraussage herangezogen. So wurde Sarah Palins Wikipedia-Seite in den Tagen vor ihrer Nomination durch John McCain mehr als 100 Mal editiert, wie die «Washington Post» danach feststellte. Die Artikel von anderen bekannten Politikern, deren Namen ebenfalls kursierten – etwa Mitt Romney –, wurden bedeutend weniger verändert.

FILE - In this Sept. 3, 2008 file photo, then-Republican Presidential candidate, Sen. John McCain, R-Ariz., and his running mate Sarah Palin waves to the crowed as she is joined by McCain at the end of her speech at the Republican National Convention in St. Paul, Minn.  McCain is waging another national campaign, this time, to define his legacy.   (AP Photo/Paul Sancya, File)

John McCain und Sarah Palin 2008. Bild: AP/AP

Dasselbe bei den Demokraten: Der Artikel über Joe Biden, der Barack Obamas Vize wurde, war kurz vor der Bekanntgabe der Nomination mehrfach geändert worden. Vermutlich habe jemand aus Obamas Wahlkampf-Team den Auftrag erhalten, den Wikipedia-Artikel des künftigen Vize-Kandidaten aufzupolieren, mutmasst Sifry.

FILE - In this Aug. 23, 2008 file photo, then-Democratic presidential candidate Sen. Barack Obama D-Ill., and his vice presidential running mate then-Sen. Joe Biden D-Del., appear together at a campaign stop in Springfield, Ill. Biden's storied political career will end much the way it started nearly half a century ago: shaped by crushing personal tragedy that shook his confidence in his own ability to lead. In deciding not to run for president, Biden has turned away from months of preparations and countless hours that had put him on the verge of a third presidential campaign. (AP Photo/M. Spencer Green, File)

Barack Obama (l.) und Joe Biden 2008. Bild: ap/AP

Anfang August 2012 habe er sich an diese völlig nichtssagende Bagatelle erinnert, so Sifry. Eine kurze Recherche habe ihm darauf verraten, dass die Wikipedia-Seite des Kongressabgeordneten Paul Ryan in der vorhergehenden Woche einen moderaten Anstieg von Edits verzeichnet hatte – mehr als jene von Rivalen wie Marco Rubio. Der Name des Vizepräsidentschaftskandidaten, den Mitt Romney dann nominierte: Paul Ryan.

FILE - This Nov. 7, 2012 file photo shows Republican presidential candidate and former Massachusetts Gov. Mitt Romney, left, talking to his running mate, Rep. Paul Ryan, R-Wis., as Ann Romney waves after her husband conceded the 2012 presidential race at his election night rally in Boston. Now as the 2016 presidential campaign field begins to take shape, here one of five things to know not to believe when you hear them: The Sit Down: Over Christmas 2010, Romney’s big family gathered ‘round and cast ballots on whether he should run again for the Republican nomination. The vote was 10-2 against, with Romney himself voting no. The voters had spoken. But Romney ran. The lesson: On this question, family matters, not so much. (AP Photo/Stephan Savoia, File)

Mitt Romney (l.) mit Gattin Ann und Paul Ryan 2012. Bild: AP/AP

Wer nun denkt, mithilfe des Wikipedia-Orakels liessen sich künftige Vizepräsidentschafts-Nominierungen in den USA beeinflussen, indem man einfach die Seite des gewünschten Kandidaten massenweise editiert, könnte sich täuschen. Sifry erinnert daran, was 2012 geschah: Er hatte seine Recherche zum Wikipedia-Orakel und den Favoriten Paul Ryan in einem Artikel beschrieben, auf den der Satiriker Stephen Colbert aufmerksam wurde. Colbert rief sein Publikum prompt dazu auf, die Seite des jeweils favorisierten Kandidaten zu editieren. Das funktionierte nicht: Wikipedia reagierte schnell und sperrte die entsprechenden Artikel für Veränderungen. (dhr)

Joe Biden macht Kamala Harris zu seiner Vizepräsidentin

Video: watson

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