Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
FILE - In this undated photo people stand on the deck of a World War I German submarine type UC-97 in an unknown location. Belgian regional authorities on Tuesday, Sept. 19, 2017 say that an intact German World War I submarine has been found off the coast of Belgium. (AP Photo, File)

Strategisch wichtiges Gebiet im Seekrieg: Die deutsche Marine unterhielt im Ersten Weltkrieg drei grosse U-Boot-Stützpunkte an der flandrischen Küste.  Bild: AP/AP Archive

Deutsches U-Boot aus dem Ersten Weltkrieg entdeckt – tote Besatzung noch an Bord



Von Belgien aus führte Deutschland im Ersten Weltkrieg seinen berüchtigten U-Boot-Krieg. Etliche Schiffe der kaiserlichen Marine wurden dabei versenkt. Nach rund einem Jahrhundert auf dem Grund der Nordsee ist vor der belgischen Küste ein deutsches U-Boot aus dem Ersten Weltkrieg entdeckt worden.

Deutsches U-Boot aus dem Ersten Weltkrieg in der Nordsee vor Ostende in Belgien entdeckt

Skizze des U-Boot-Wracks.  Bild: Tomas Vermote

Das Schiff sei weitgehend intakt und verschlossen, sodass die Überreste der für den Typ üblichen Besatzung von 23 Mann noch an Bord vermutet werden, sagte der Gouverneur von Westflandern, Carl Decaluwé, am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. Das Rätsel um das Schiff und die getöteten Soldaten soll geklärt werden. Gehoben wird es nach Angaben der deutschen Botschaft in Brüssel aber wahrscheinlich nicht.

Aus Sicht des Gouverneurs ist der Fund eine Sensation. «Das ist völlig einzigartig», sagte Decaluwé. Man habe zwar in den vergangenen Jahrzehnten bereits elf U-Boot-Wracks in belgischem Seegebiet aufgespürt, doch sei keines ähnlich gut erhalten. «Es ist nicht explodiert», sagte Decaluwé. Nur vorne sei das U-Boot beschädigt. Ein Taucher fand das Boot im Juni in 25 bis 30 Metern Tiefe in der Nähe von Ostende – wo genau, halten die Behörden geheim. 

Repro Benny Proot Oostende duitse duikboot uit eerste wereldoorlog gevonden: Beide periscopen

Das U-Boot liegt in rund 30 Meter Tiefe. Hier sind die Periskope zu erkennen.  Bild: hln/Benny Proot

Umkämpfter Kriegsschauplatz

Der Badeort an der Nordseeküste wurde Anfang des 20. Jahrhunderts zum beliebten Urlaubsziel für das Bürgertum, war aber zwischen 1914 und 1918 auch ein umkämpfter Kriegsschauplatz. Die Flotte des deutschen Kaisers führte von Flandern aus ihren berüchtigten U-Boot-Krieg unter anderem gegen britische Handelsschiffe.

Seekrieg im Ersten Weltkrieg: die Skagerrakschlacht

Die deutsche Marine hatte nach Angaben von Gouverneur Decaluwé drei grosse U-Boot-Stützpunkte mit 10'000 Mann in Belgien und versenkte vor den Küsten mehr als 2500 Schiffe. «Das war eine gefährliche Waffe.» Die Kriegsgegner der Deutschen legten deswegen Minen vor der belgischen Küste. Eine dieser Bomben mit bis zu 1000 Kilogramm Sprengstoff wurde dem jetzt gefundenen U-Boot mutmasslich zum Verhängnis.

Um welches Boot es sich genau handelt, müssen Taucher untersuchen. Nach den Massen – das Wrack ist 27 Meter lang und sechs Meter breit – ist sich Decaluwé aber schon ziemlich sicher, dass es sich um ein Exemplar der U-Boot-Klassse UB II handelt, die ab 1915 gebaut wurde. Davon waren nach seinen Informationen zwischen 1915 und 1918 insgesamt 18 Boote in der Flandern-Flotte im Einsatz. 13 wurden im Einsatz zerstört oder sanken. 

Weitere Untersuchungen geplant

Wenn geklärt wird, welches Schiff genau dort seit rund 100 Jahren am Meeresgrund überdauerte, könnten wohl auch die Namen der Besatzungsmitglieder festgestellt werden, sagte der Militärattaché der deutschen Botschaft, Stefan Janke, der dpa. Noch vor dem Winter würden Taucher das Wrack erneut untersuchen.

Das U-Boot werde aber aller Voraussicht nicht geborgen, auch aus Kostengründen, sagte Janke. Üblicherweise werde der Fundort in Seekarten verzeichnet und dort «eine Art Friedhof» eingerichtet. Die Stelle werde gesichert und ein Tauchverbot durchgesetzt. Das ist auch der Grund, warum die Behörden in Flandern den Fundort nicht nennen: Man will keine Glücksritter anlocken, wie Decaluwé sagte.

(sda/dpa)

Britisches U-Boot-Wrack vor Sardinien gefunden

Die Vergangenheit lebt – hier gibt's mehr Geschichte!

Von der Attischen Seuche bis Ebola – 13 Pandemien, die Angst und Schrecken verbreiteten

Link zum Artikel

Der Mann, der nicht sterben wollte – wie der «Seehund-Mann» im kalten Atlantik überlebte

Link zum Artikel

Jetzt kannst du virtuell ins Landesmuseum: «Nonnen. Starke Frauen im Mittelalter»

Link zum Artikel

Marie Curie – Die Frau, die uns die Strahlen brachte

Link zum Artikel

Keep Calm and Carry On – wenn ein Weltkriegsplakat plötzlich wieder hochaktuell wird

Link zum Artikel

Prominenz, Betrug und Homosexualität – der spektakulärste Mord des 19. Jahrhunderts

Link zum Artikel

Als ein Bauer im Bernbiet eine Atombombe bauen wollte – mit Bewilligung des Bundes

Link zum Artikel

«Mach mir ein Kind», befahl die Amazone Alexander dem Grossen

Link zum Artikel

Die einzige Saison, in der die Schweiz keinen Fussballmeister hatte

Link zum Artikel

Geheimes Treffen in Ascona – Wie ein SS-General im Tessin mit den Alliierten verhandelte

Link zum Artikel

10 Pfund Sterling für eine Leiche – wie Burke und Hare für die Wissenschaft mordeten

Link zum Artikel

Diese Grafik zeigt dir, warum wir den 29. Februar brauchen

Link zum Artikel

«Ja, das wäre sensationell!» – Ist der Mord an Schwedens Regierungschef Palme aufgeklärt?

Link zum Artikel

Evakuiert – 8 Schweizer Orte, die das Schicksal von Mitholz teilten

Link zum Artikel

Vom Sklaven zum Botschafter am Hof des Sultans – Johann Rudolf Schmid von Schwarzenhorn

Link zum Artikel

Luftkampf unter dem Eiffelturm – stimmt diese Geschichte wirklich?

Link zum Artikel

Drogen, Waffen, Menschenversuche – 7 spektakuläre Operationen der US-Geheimdienste

Link zum Artikel

Die Chiffriermaschine Enigma und die Schweiz

Link zum Artikel

Vor genau 50 Jahren: Als der Terror die Schweiz heimsuchte

Link zum Artikel

Wetten, du kennst nicht alle diese 10 Mikrostaaten?

Link zum Artikel

Abaelard und Heloise: Wenn ein bisschen Sadomaso zur Entmannung führt

Link zum Artikel

Alfred de Quervain – der Schweizer Eismann

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

8
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • MaskedGaijin 20.09.2017 20:52
    Highlight Highlight "Etliche Schiffe der kaiserlichen Marine wurden dabei versenkt." Die deutschen U-Boote versenkten also deutsche Schiffe?
  • -woe- 20.09.2017 18:57
    Highlight Highlight Was in bezug auf die Gefallenen zu etwarten?
    Was gschieht mit den Körpern unter Luftaschluss? Verwesen können sie ja kaum, zersetztende Insekten dürften auch keine vorhanden sein (oder infolge Sauerstoffabsenz nicht genug lang überlebt haben).

    Weiss das jemand oder soll ich Mark Benecke fragen?
    • Ylene 20.09.2017 20:03
      Highlight Highlight Voilà! http://www.focus.de/wissen/natur/wasserleichen-forensiker-ueben-an-schweinen_aid_339730.html Der Artikel ist zwar von 2008, aber trotzdem. Und natürlich gibt es Sauerstoff im Wasser, sonst würden Fische gar nicht überleben - Google sonst mal, für was Kiemen gut sind. 😉 Aber ja, die Konzentration an Sauerstoff ist im Wasser natürlich viel niedriger als an Land.
    • -woe- 20.09.2017 21:39
      Highlight Highlight Die Leichen sind ja nicht im Wasser, sondern in einem Raum mit begrenztem Sauerstoff. Dieser wurde bis zu einer Konzentration aufgebraucht, die menschliches Leben verunmöglicht. Bakterien könnten vielleicht noch ein Weilchen überleben, aber verbauchen diese nicht auch Sauerstoff? Was dann? Wird der Prozess der Verwesung gestoppt?

      PS: Vielleicht ein bisschen weniger Sarkasmus in der (vermeintlichen) Antwort aus Respekt vor dem Fragesteller. Danke.
    • Mutzli 21.09.2017 00:02
      Highlight Highlight @-woe- Also wenn das U-Boot seit nunmehr hundert Jahren dort unten liegt, ist es wohl auch nicht mehr das dichteste, mal abgesehen von irgendwelchen Löchern die zum Sinken geführt haben. Würde mich also erstaunen, wenn es da tatsächlich irgendeinen Bereich geben würde, der nicht voll mit Wasser gefüllt ist.
    Weitere Antworten anzeigen
  • WhyNotX? 20.09.2017 18:54
    Highlight Highlight Das muss schrecklicher Tod gewesen sein. .

So starben diese 12 Putin-Gegner

Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny kämpft um sein Leben: Der 44-jährige Kreml-Kritiker liegt im Koma und wird beatmet. Er war während eines Flugs in Ohnmacht gefallen, nachdem er eine Tasse Tee getrunken hatte. Der Anwalt von Nawalnys Fonds zur Bekämpfung von Korruption, Wjatscheslaw Gimadi, sagte: «Es besteht kein Zweifel, dass Nawalny wegen seiner politischen Position und seiner Tätigkeit vergiftet wurde.»

Es wäre nicht das erste Mal, dass eine dem russischen Machtzirkel um …

Artikel lesen
Link zum Artikel