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A member of the Ku Klux Klan salutes a lit cross during a cross lighting ceremony at a private residence in Henry County, Virginia, October 11, 2014. The Ku Klux Klan, which had about 6 million members in the 1920s, now has some 2,000 to 3,000 members nationally in about 72 chapters, or klaverns, according to the Southern Poverty Law Center, an organization that monitors extremist groups.  REUTERS/Johnny Milano

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Feuerkreuz und Hitlergruss: Ein Klan-Treffen im Oktober 2014 in Virginia. 
Bild: JOHNNY MILANO/REUTERS

Anonymous-Hacker greifen den Ku-Klux-Klan an: Der Auf- und Abstieg der rassistischen Kapuzenmänner

Das Hackerkollektiv Anonymous will Mitglieder des Ku-Klux-Klans demaskieren. Der rassistische Geheimbund hatte einst Millionen Mitglieder, dann ging es bergab mit ihm. Doch seit der Wahl von Barack Obama hat der Klan wieder Zulauf. 



Ihre Aufmachung mit den weissen Roben und spitzen Hüten wirkt lächerlich, doch die von Hass getriebene Gewaltbereitschaft der Klan-Mitglieder erstickt das Lachen im Keim. Der Ku-Klux-Klan (KKK), dieser bekannteste rassistische Orden der USA, hat eine lange Geschichte der Gewalt gegen Schwarze, aber auch gegen Katholiken und Juden. 

Der Ku-Klux-Klan entstand als Bund von Verlierern. Nach der verheerenden Niederlage der Südstaaten im amerikanischen Sezessionskrieg (1861-1865) konnten sich weite Teile der weissen Bevölkerung dort nicht mit der Befreiung der rund vier Millionen schwarzen Sklaven abfinden. Sechs Offiziere der besiegten konföderierten Armee gründeten den Klan am 24. Dezember 1865 in Pulsaki im US-Staat Tennessee. 

Ku Klux Klan, Feuerkreuz, Tampa, Florida, 1939

Aggressives Ritual: Klan-Mitglieder 1939 vor einem Feuerkreuz in Tampa, Florida. 
Bild: AP

Brandstiftungen und Lynchmorde

Der neue Geheimbund, der Zulauf und Unterstützung aus dem gesamten Süden erhielt, schüchterte die schwarze Bevölkerung durch nächtliche maskierte Ausritte ein und griff bald zu blutigen Methoden: Mit Entführungen, Brandstiftungen und Morden terrorisierte der Klan die ehemaligen Sklaven und tatsächliche oder vermeintliche Yankee-Kollaborateure. 

Die Regierung in Washington versuchte, dem Terror durch die «Ku-Klux-Acts» Einhalt zu gebieten. 1871 wurde der KKK, der etwa eine halbe Million Mitglieder stark war, offiziell aufgelöst. Einzelne Gruppen in verschiedenen Bundesstaaten verübten jedoch – meist gedeckt durch die lokalen Autoritäten und die Polizei – weiter Gewalttaten. 

Ku Klux Klan, Atlanta, Georgia, 1965

Keiner zu klein, Klan-Mitglied zu sein: Klan-Frau mit Kind und Kapuze 1965 in Atlanta, Georgia.
Bild: AP

Erst nachdem die Unionstruppen 1877 abgezogen waren und die Demokratische Partei – damals die politische Heimat der rassistischen Südstaatler – die Macht im Süden endgültig wieder übernommen hatte, verlor der Geheimbund an Bedeutung. Seine Ziele waren weitgehend erreicht: Die weissen Machthaber im Süden hatten den Schwarzen das Wahlrecht de facto wieder entzogen und sie erfolgreich aus Politik und Gesellschaft gedrängt. Die Rassentrennung wurde – auch gewaltsam – durchgesetzt und gesetzlich verankert.  

Neugründung und Höhepunkt

1915 wurde der Ku-Klux-Klan neugegründet – er profitierte vom enormen Erfolg des Films «Birth of a Nation», der die schwarze Bevölkerung verteufelte und den Rassenhass anfachte. Erst jetzt wurde das brennende Feuerkreuz zum Symbol des Geheimbunds, der sich nun auch vermehrt gegen andere Minoritäten richtete: Neben Schwarzen standen jetzt auch Katholiken, Juden, Gewerkschafter, Homosexuelle und Neueinwanderer auf der Abschussliste des streng protestantisch ausgerichteten Ordens. 

Ku-Klux-Klan - «Birth of a Nation»

Die Saat der Gewalt ging auf – tausende von Schwarzen wurden gelyncht. Der Mob hängte sie an Bäume und Laternenpfähle oder verbrannte sie bei lebendigem Leib. Die Sängerin Billie Holiday beklagte diese Morde in dem bewegenden Lied «Strange Fruit»

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Billie Holiday – «Strange Fruit».
YouTube/Cheryl Surdyk

In den 20er-Jahren gelang es dem neuen KKK, auch ausserhalb des alten Südens Gefolgschaft zu finden. Unter der Leitung des «Grand Wizard» Hiram Wesley Evans wurde der Klan eine einflussreiche Organisation, die in den gesamten USA – besonders im Mittleren Westen – verbreitet war und zahlreiche einflussreiche Politiker in ihren Reihen hatte. Zeitweise sollen mehr als 80 Kongressmitglieder dem Klan nahegestanden haben. 

1924 hatte der Ku-Klux-Klan 4,5 Millionen Mitglieder und stand auf dem Höhepunkt seines Einflusses. Danach ging die Mitgliederzahl aufgrund von Korruptionsaffären und internen Streitigkeiten stark zurück. 1944 wurde der Klan, der inzwischen kein Geheimbund mehr war, erneut aufgelöst. 

Ku Klux Klan, Parade in Tulsa, Oklahoma, 1923

Einflussreiche Organisation: Berittene Parade des Klans 1923 in Tulsa, Oklahoma.
Bild: AP

Neuer Auftrieb dank Obama

Erst das Erstarken der Bürgerrechtsbewegung in den 50er-Jahren hauchte dem Klan vorübergehend neues Leben ein. Seine Mitglieder verübten hunderte von Lynchmorden an Schwarzen und brachten Bürgerrechtler um. Doch obwohl die weisse Bevölkerung im Süden die Forderungen der Schwarzen nach Gleichberechtigung nach wie vor mehrheitlich ablehnte und oft mit Gewalt beantwortete, konnte der KKK nicht mehr an seine alte Grösse anknüpfen. Die Zahl seiner Mitglieder sank zeitweise auf 1200. 

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Dok: «Ku Klux Klan –- Eine geheime Geschichte».
YouTube/Deutsche Dokus

Erneuten Auftrieb erhielt der Klan erst mit den Anschlägen vom 11. September 2001 und mehr noch mit dem Einzug von Barack Obama ins Weisse Haus. Die Zahl der Drohungen gegen den Präsidenten hat sich seit seiner Wahl verdreifacht. Dass ein Afroamerikaner an der Spitze der Nation steht, beflügelt die Ängste vieler weisser Rassisten, dass die weisse Bevölkerung bald nicht mehr die Mehrheit stellen könnte. Zusätzlichen Zulauf konnte der KKK 2014 verzeichnen, als es in Ferguson zu gewalttätigen Ausschreitungen kam, nachdem ein weisser Polizist einen schwarzen Jugendlichen erschossen hatte. 

Ferguson – eine Chronik der Wut

Die verschiedenen Organisationen, die sich heute unter dem Banner des Klans sammeln, konnten ihre Mitgliederzahl Schätzungen zufolge auf 10'000 verdoppeln. Sie geben sich zum einen moderat und führen Sommercamps durch, um Nachwuchs anzulocken. Zum andern schmieden sie in letzter Zeit vermehrt Bündnisse mit rechtsradikalen Gruppierungen wie der National Alliance oder dem National Socialist Movement. 

«White Supremacy»

Diese Allianz zeigte sich auch im vergangenen Juli, als ein Trupp von Klansleuten in weissen Gewändern gemeinsam mit Neonazis durch Columbia, die Hauptstadt von South Carolina, zog. Die Demonstranten protestierten für die Konföderierten-Flagge, Symbol der Sklaverei in den Südstaaten. Die «Dixie Flag» war vom Parlamentssitz entfernt worden, nachdem ein Rassist in einer Kirche in Charleston neun Schwarze erschossen hatte. 

Members of the Ku Klux Klan yell as they fly Confederate flags during a rally at the statehouse in Columbia, South Carolina July 18, 2015. A Ku Klux Klan chapter and an African-American group planned overlapping demonstrations on Saturday outside the South Carolina State House, where state officials removed the Confederate battle flag last week. REUTERS/Chris Keane
      TPX IMAGES OF THE DAY

Rassisten-Demo: Klan-Mitglieder marschieren in Columbia für die «Dixie-Flag».
Bild: CHRIS KEANE/REUTERS

Der Attentäter war wohl kein Klan-Mitglied, doch auch er war durchtränkt von der Ideologie der «White Supremacy», der vermeintlichen Überlegenheit der Weissen, die sich stets mit der paranoiden Furcht vor dem Anderen paart. Diese Furcht wird auch den Täter beseelt haben, der im April 2014 drei Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Kansas City erschoss. Er war Mitglied des Klans. 

Ku Klux Klan, Florida, 70er-Jahre

«Amerika für Weisse:» Klan-Demo in den 70er-Jahren in Florida.
Bild: State Archives of Florida

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Dok: «Der Hass des Ku-Klux-Klan».
YouTube/MisterDocu

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6 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
fischbrot
04.11.2015 16:36registriert June 2014
Die Menschheit hat noch einen langen Weg vor sich..
600
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RMS
04.11.2015 21:51registriert March 2015
Und was macht das Hackerkollektiv anonymous nun genau? Der Titel verspricht doch Aufklärung darüber?
371
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6

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