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Graue Haare wegen Corona-Lockdowns? Dafür gibt es eine Erklärung



Eine oft erwähnte Nebenerscheinung der Corona-Pandemie sind graue Haare. Und zwar nicht von Covid-Patienten, sondern von gesunden Menschen. Auch einige watson-Journalisten haben während der letzten Monaten eine beschleunigte Ergrauung an sich beobachten können.

Woran kann es liegen?

Die Binsenwahrheit lautet «Stress». Als anekdotische Evidenz werden dafür gerne die amerikanischen Präsidenten aufgeführt. Sie treten ihr Amt voll im Saft an und nach vier oder acht Jahren verlassen sie das Weisse Haus als Silberfüchse.

FILE - This Jan. 17, 2009, file photo shows President-elect Barack Obama as he looks at his daughter Malia during an event at the 30th Street Station in Philadelphia before embarking on his Inaugural whistle stop train tour to Washington. President Obama is practically weepy at the thought of his daughter Malia going off to college, a milestone many months away that is on his mind now. At 16, she stands nearly as tall as her 6-foot-1 dad and is visiting college campuses in preparation for that bittersweet day in the fall of 2016 when she trades her White House bedroom for a dorm. (AP Photo/Susan Walsh, File)

Barack Obama 2009 mit seiner Tochter Malia kurz vor Amtsantritt: Obama besitzt kaum ein graues Haar. Bild: AP/AP

FILE - In this Friday, July 19, 2013 file photo, President Barack Obama pauses as he speaks about the fatal shooting of Trayvon Martin by George Zimmerman, during the daily news briefing at the White House in Washington. After Martin was killed in 2012, Obama said he

Barack Obama 2013. Nur vier Jahre später sind viele Haare grau. Bild: AP/AP

FILE - In this April 7, 2016 file photo, President Barack Obama and his daughter Malia, walk across the South Lawn of the White House in Washington before boarding Marine One helicopter for the short flight to Andrews Air Force Base. Former President Obama and his daughter Malia Obama have caught a new revival of Arthur Miller's

Barack Obama 2017 nach acht Jahren Präsidentschaft: Malia ist nun gleich gross wie ihr Vater (1,85 Meter). Dessen Haare sind noch da, mittlerweile aber fast komplett ergraut. Bild: AP/AP

Doch stimmt der Gemeinplatz, dass Stress ein Faktor für beschleunigte Ergrauung ist? Lange Zeit tat sich die Wissenschaft mit dieser Korrelation schwer. So schreibt Robert H. Shmerling von der Harvard Medical School explizit, dass Stress die Haare NICHT grau färben kann.

Eine neue Studie, die im Januar 2020 im renommierten Wissenschaftsmagazin «Nature» publiziert wurde, will nun aber den endgültigen Gegenbeweis gefunden haben. Noch nicht am Menschen – aber bei Mäusen. Nicht wenige Forschungsergebnisse lassen sich von Mäusen auf Menschen übertragen.

Was sind graue Haare überhaupt?

Bild

Auch er hat graue Haare – András István Arató alias Hide the Pain Harold bild: Shutterstock

Jeder Haarfollikel enthält Pigmentzellen, sogenannte Melanozyten, die dem Haar seine Farbe geben. Mit zunehmendem Alter produzieren Menschen weniger Pigmentzellen. Das hat zur Folge, dass unpigmentierte Haare spriessen – graue Haare.

Ab wann und wie stark die Produktion von Pigmenten heruntergefahren wird, ist zum Teil genetisch bedingt. Dermatologen sprechen in diesem Zusammenhang von der 50-50-50-Regel: 50 Prozent der Bevölkerung hat im Alter von 50 Jahren 50 Prozent graue Haare.

Zurück zur «Nature»-Studie. Sie legt nahe, dass unter akutem Stress Stammzellen geschädigt werden, die neue Melanozyten produzieren sollten. Wird eine sogenannte Kampf-oder-Flucht-Reaktion ausgelöst und das Stresshormon Noradrenalin ausgeschüttet, veranlasst das «schlafende» Melanozyten-Stammzellen «aufzuwachen», sich zu teilen und ... zu sterben. Die tatsächliche Produktion von Melanozyten wird dadurch verringert – es kommt zu vermehrt grauen Haaren. Wird dieser Vorgang unterdrückt, verringert sich auch die Ergrauung. Diesen Nachweis konnten die Studienautoren an Mäusen erbringen.

Stress während des Lockdowns?

Eine Befragung der Universität Basel unter der Leitung von Neurowissenschaftler Dominique de Quervain mit über 10'000 Teilnehmern zeigte, dass die Corona-Pandemie auch in der Schweiz bei grossen Teilen der Bevölkerung eine Form von Stressreaktion auslöste. So gaben 57 Prozent der Befragten an, während des Lockdowns im Vergleich zu vor der Krise mehr Angst zu verspüren. 50 Prozent klagten über ein erhöhtes Stresslevel.

Ob dieses Level ausreichte, um die in der Studie beschriebene Kampf-oder-Flucht-Reaktion auszulösen, wird aus den Resultaten nicht klar. Um eine Kampf-oder-Flucht-Reaktion auszulösen, bedarf es einer akuten Bedrohung, die als existenzgefährdend eingeschätzt wird. Dass einige Menschen die diversen Einschränkungen während des Lockdowns und die ungewisse wirtschaftliche Zukunft so wahrgenommen haben, ist allerdings nicht nur vorstellbar, sondern auch verständlich.

Hast du das Gefühl, deine Haare seien während des Lockdowns schneller ergraut?

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Video: watson

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